UTMB 2016 – Mein finish

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Mein großes Ziel, der Ultrattrail du Mont Blanc ist Geschichte. Am heutigen Morgen habe ich nach harten aber auch wunderschönen 31:46 Stunden das Abenteuer Mont Blanc für mich beendet.

Ergebnis UTMB 2016

Die Zeit wurde angehalten, da ich nicht mehr in der Lage war, die verbleibenden drei großen Berge zu überwinden.

Die Momenteinscheidung war genau die richtige in dieser Situation. Es ging nicht mehr. Meine Füße hatten einen anderen Agregatzustand angenommen. An Laufen schon seit Stunden nicht mehr zu denken. Diesen Schmerz noch weitere 13 Stunden zu erdulden, der mich bereits seit Stunde 15 beschäftigte, war es mir nicht wert. Schade, aber so ist Ultratrailrunning. Sicher bin ich zu alt dafür 😉 Oder?

copyrigt bei @UTMB (http://utmbmontblanc.com/de/page/20/20.html)

copyrigt bei @UTMB (http://utmbmontblanc.com/de/page/20/20.html)

 

Bereits seit vergangenem Jahr war klar, dass ich den hohen Aufwand, den ein Bergtraining für die Hochalpen erfordert, nur bedingt aufbringen kann. So als Bewohner der Bergregion Mecklenburg 😉 Der UTMB sollte den Abschluss eines Kapitels darstellen, des wettkampfmäßigen Berglaufens. Es sollte nicht sein. Vielleicht komme ich noch einmal nach Chamonix zurück, in absehbarer Zeit aber nicht zum wettkämpfen.

vc-01-1-363-bassedef (1)Kleinere Brötchen werden natürlich trotzdem nicht gebacken, eben nur nicht so hohe 😉 Es bleibt also spannend. Die ersten Projekte sind bereits seit Monaten in der pipeline: guckst du hier.

Nun heißt es , mental zu verarbeiten. Der Laufbericht folgt, wenn ich ein wenig zur Ruhe gekommen und die Ereignisse der letzten eineinhalb Nächte verarbeitet habe. Aber kann man das überhaupt. Der UTMB bleibt fürs Leben im Kopf. Es war sooo unbeschreiblich beeindruckend. Sooo ist trailrunning in den schönsten Bergen der Alpen.

Statistik des Veranstalters. Copyright by UTMB-2016 Livetracker

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Schluss mit „lustig“

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Durchlaufzeiten

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Reihenfolge – Platzierung

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pace

UTMB 2016 – Der Countdown läuft

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Es sind nur noch wenige Stunden. Schaue ich aus meinem Fenster, kann ich die Laufstrecke entlang der L’Arve sehen. Mann sollte nichts mehr sagen. Ich bin aufgeregt, mehr denn je, ob der ungekanten Dimension.

Ich kenne 100 km und auch 125. Ich weiß, wie es sich nach 26 Stunden, ja nach 29 Stunden laufen anfühlt. Aber wie wird es bis zur 40 oder länger sein? Ich weiß es nicht und möchte es gern herausfinden. In meine tiefste Seele schauen, die Nullpunkte neu ermitteln und wieder heraussteigen … Es bleibt ein Abenteuer. Es geht ums „Überleben“.

Herausfinden beim UTMB, dem Trailevent am Fuße des Mont Blanc … Ich bin dann mal off.

UTMB Florian Grasel

Mehr gibt es nicht zu sagen

Wir fliegen …

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Er fliegt (mal) wieder. Natürlich bin ich kein Viel- wohl aber ein Oftflieger, sollte es diesen Begriff überhaupt geben. Nicht allein, dieses Mal und Taaage vor dem eigentlichen Highlight geht es in die Alpen. An den Fuß des Alpenhügels schlechthin. Runter an den Mont Blanc.

Wir verbringen endlich mal wieder einen gemeinsamen Jahresurlaub zusammen. Leider passt es bei meiner Frau nicht oft, beruflich bedingt, dass sie mich begleiten kann. Die Veranstalter „meiner“ Läufe könnten sich aber auch wirklich mal mit dem Ferienkalender des schönsten Bundeslandes beschäftigen.

Obwohl es noch dreizehneinhalb Tage Zeit hat, an den Start zu gehen, kreisen die Gedanken natürlich bereits darum. Das Laufjahr war eher durchwachsen. Begann irgendwie viel zu zeitig oder hörte gar nicht auf. Doch, in einem Monat bin ich gar nicht gelaufen. Nur 100 km durch die Landschaft gesockt, die Spinnweben zwischen den Beinen wegjoggen. Und im Dezember letzten Jahres ging es dann los. Aber darüber habe ich ja bereits ausschweifend berichtet.

Anflug ... man unverkennbar, der höchste Berg der Alpen

Anflug … man unverkennbar, der höchste Berg der Alpen

Es ist der Höhepunkt meiner bisherigen Laufgeschichte. Entsprechend aufgeregt bin ich dann schon. Klar, weiß ich, was ich kann und ich weiß auch, was nicht. Nach dem Mont Blanc 80 habe ich das Training anders strukturiert oder überhaupt. Viele lange Sachen, weniger Hügel, dafür anspruchsvolle Laufuntergründe. Fällt im MdS-Trainingsareal auch nicht schwer. Sand haben wir genug und auch um die Ecke. Mehr gelaufen und auch mal wieder ein paar 5-6 Stunden Läufe. Ich bin, was ich noch bei keinem UTMB-Event, CCC und TDS darf ich bereits als gefinished „verbuchen“, getan habe, recht frühzeitig mit Rucksack im Vollausbau unterwegs gewesen. Das macht langsam, klar, schafft aber zugleich Sicherheit. An die 40 Stunden mit einem 3-4 kg Gepäck unterwegs zu sein sollte man im Alter mal ausgiebig getestet haben. Und doch war ich zum Schluss unsicher und hab die 5l-Bärbel aus der Mottenkiste geholt. Die Auswahl groß, was da in der Laufrucksackecke hängt. Ich bin mir immer noch nicht ganz schlüssig. Beide Kandidaten befinden sich im Koffer.

In dieser Woche dann ein wenig Tempo. Was man nach 3000 Vorbereitungskilometern Tempo nennt. 4:45-er pace mit 77-er Puls und es ging nicht schneller, rein muskulär gesehen. Aber das reicht mir. Lange kann ich wohl, ob die pace reichen wird, werden wir sehen. Ich muss nach vorne schauen. Es sollte langen. Es muss langen.

Ich war in den letzten Wochen, entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten, zu Hause unterwegs. Nach ein paar abgezählten Wochenenden in der Toskana des Ostens nur in unserer Schweiz unterwegs gewesen. Neue Orte kennengelernt oder alte auf neuen Wegen entdeckt. Das schafft Vertrauen. Schafft Sicherheit. Mental so wichtig. So meine Überzeugung.

In knapp 30 Minuten werden wir landen und nach 90 Minuten am Ort des Geschehens sein. Schaue ich aus dem Fenster, kann ich bereits die ersten weißen Alpengipfel sehen. Ich bin so froh, endlich wieder hier (dort) sein zu dürfen. Nach langen 7 Wochen Bergabstinenz. Es wurde wieder mal Zeit. Zeit auch für Urlaub, Erholung, tolle Sachen unternehmen, (bis sieben) ausschlafen. Was man im Urlaub eben so tut. Ja, auch noch ein bissl laufen. Was aber bei einer Begleiterin, die ihren ersten Marathon vorbereitet nicht ins Gewicht fällt. Und Akzeptanzprobleme gibt es in der Konstellation kaum. 😉 Das Leben ist doch ein Geschenk, oder?

Ankunft und das bei Traumwetter - unser Hütte für die nächsten 16 Tage

Ankunft und das bei Traumwetter – unser Hütte für die nächsten 16 Tage

Ich werde berichten, aus dem Chalet mit Breventblick, mit Gletscher Blick, mit Mont Blanc Blick. Also aus dem Trailrunners Paradies.

Allles verlief planmäßig. Shuttle nach Chamonix mit 5 min Zeitreserve bekommen. Nur der Aufstieg von der neuen Haltestelle des Bosson-Busses zum Chalet etwas schweißtreibend. Bleibt ja aber genug Zeit zur Erholung.

Es wird greifbar … der UTMB-Monat hat begonnen

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Wenn Mann mal wieder vorm Editor sitzt und sich so gar nichts bewegt, auf dem linken Bildschirm, dann ist der rechte Schuld.

Copyright by Microsoft Windows 10

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Heute schreiben wir den ersten August. Der Monat des wohl größten Trailfestivals hat begonnen. Der Ultra-Trail du Mont Blanc wirft seine Schatten voraus. In 25 Tagen werden knapp 2500 Trailrunner aus allen Teilen dieser Welt, fast 100 Nationen sind vertreten, auf dem Weg sein, die Königsdisziplin zu rocken. Einhundertsiebzig Kilometer werden mit zwanzigtausend Höhenmetern (zu gleichen Teilen im Auf- und Abstieg) verfeinert. Das Motto der nächsten 46 Stunden heißt: Umrundung des Mont Blanc.

Meine Vorbereitung, die physische läuft nach Plan. Gerade am Wochenende habe ich den letzten 6 Stundenlauf beendet. Es läuft recht ordentlich. Immer öfter bin ich auch auf den kurzen Wochenetappen, meist an die 2-3 Stunden mit UTMB-Pflichtausrüstung unterwegs. Der trailrunner sollte eins werden mit seinem Rucksack, so sagt man. Schließlich wollen wir beide zwei Tage und Nächte gemeinsam auskommen. Er, der unsichtbare, der alles verkehrt herum sieht und sein Träger, der ihm blind vertrauen muss. 😉

In 12 Tagen werde ich bereits am Fuße des Mont Blanc verweilen. Unser Jahresurlaub wird in diesem Jahr im Vallée de Chamonix verbracht. Die Intensivwochen werden dann geschafft sein. Nur noch wenige „Pflichtläufe“ werden zu absolvieren sein. Genuss ist angesagt, Gemüt beruhigen. Nach Jahren mal wieder ein langer Familienurlaub. Frau hats nicht leicht mit Mann.

Meine Vorbereitungen auf das Jahreshighlight (in der Mitte des Laufjahres) begannen bereits im Dezember letzten Jahres. Mit dem Trans Gran Canaria im März wartete bereits ein früher Start ins Jahr. Seit dem lief es ein wenig bedenklich auf den Trails dieses Kontinents. Alle Kraft für den UTMB … In Vorbereitung bin ich bisher knapp 3000 km gelaufen, Knapp 60 km hochgeklettert und die gleiche Anzahl wieder runter. 330 Stunden hab ich mich dem Laufen gewidmet. Über 30 lange Läufe bis zu 125 km. Alles nur nichts sagende Zahlen. Am Ende des Ultratrails wird es immer zu wenig sein oder zuviel oder nicht optimal oder … . Aber darum geht es nicht. Es geht um den Spaß am Laufen, der natürlich manchmal erst am Ende der Laufeinheit kommt. So ist Training. Ich denke, einiges richtig und viel falsch … oder war es umgekehrt? Irgendwie hab ich in dieser Vorbereitung einiges anders gemacht. 😉 Ich fühle mich physisch ganz gut in Form. Der Großteil der üblichen Zipperlein ist Geschichte. Für die mentale Komponente verbleibt noch ein wenig Zeit. Meine Bodencrew wird es richten. Ja, ich habe dieses Mal, erstmals in der UTMB-Woche, einen Support vor Ort. Ein Traum.

 

 

Bis zum Start verbleiben noch 250 Laufkilometer für Bänder und Sehnen, Muskeln und für den Kopf. Es wird Zeit, daß ich an den weißen Klotz komme. Der hat etwas beruhigendes. Die Zettel sind fertig, sooo zeitig schon.

 

erstellt 23.06.2016 @trailrunningimnorden.de

erstellt 23.06.2016 @trailrunningimnorden.de

 

Aller guten Dinge sind drei – Marathon du Mont Blanc 2016

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Anreise und Hotel finden dank (dieser Mal vorher) ausgedruckter Karte (etwas old school, ich weiß) verliefen beunruhigend reibungslos. Durch eine gewisse Ortskenntnis in Chamonix, ich konnte mich tatsächlich erinnern, war ich bereits vor 11 im Hotel und auch kurze Zeit später wieder in der Stadt. Da hier die Restaurationen spätestens halb zwölf (p.m.) schließen, ist zielgerichtete Futtersuche am Abend unerlässlich.

Am Morgen danach dann Startnummernausgabe gleich nach dem Anschwitzenmorgenlauf. Dieses Mal kein lockerer 500 hm Jogg, wie noch im letzten Jahr. Alles sollte besser werden. Vieles verändert in der unmittelbaren Vorbereitung. Ich fühlte mich richtig gut. Und es gab mir auch nicht zu denken. 😉

Kurzer Nachmittagsspaziergang zum kleinen Chalet La Floria. Atmosphäre aufsaugen. Rechtzeitig zog ich am Abend die Vorhänge zu. Es war noch nicht einmal acht, als ich das offizielle Offsignal versandte. Wie bereits die Tage zuvor schlief ich mehr schlecht als recht. Eine gewisse Ausgeruhtheit war dennoch zu verspüren, als ich 2:50 Uhr (10 min vor Weckzeit) meine Entspannungsphase beendete.

Die Sachen schnell angezogen, ein Schüsselchen Müsli vernascht und dann ging es auch schon in den Start- Zielbereich, nur 5 min fußläufig zu erreichen. Perfekt. 15 Minuten vor der Zeit …. Totales Gedränge. War ich im letzten Jahr so zeitig? Also war wieder das obligatorische Absperrgitterklettern angesagt. In Chamonix gibt es beim Start immer Stau. Zu eng die Straßen, zu dicht das Spalier an Frühaufstehern. Pünktlich um vier wurde hochgezählt. Komisch??? Aber bei five war dieses Mal Schluss. Der Start im letzten Jahr bei eleven ließ mich auch heute schmunzeln.

Jetzt gehts lo(ho)s

Keine 10 Sekunden später passierte ich den Startbogen. Und es rollte gut an. In diesem Jahr kleine Streckenanpassung. Nicht direkt zur Seilbahnstation zum Brevent ging es hinauf sondern in langer Runde durch die Stadt. Gar nicht so schlecht. Das Starterfeld sollte sich wahrscheinlich entzerren. Da ich mein Aufwärmtempo lief, war natürlich ein reges Überholen angesagt. 6:10 min/km auf dem ersten war perfekt. Es hügelte sich gleich erst mal leicht hinauf. Alles bestens. Keine mich überfordernden Anstiege. Alles konnte stocklos gerannt werden.

Nach gefühlter Ewigkeit auf Asphalt folgte Waldweg und dann … der erste Stau. Schnell war er Geschichte. Einrollen ist wichtig, rumstehen werden wir noch genug, so meine Intension. Doch wir sollten nicht lange brauchen und es staute länger. Einige wenige ungeduldige kämpften natürlich um jede Millisekunde und mussten auf engem Pfad versuchen, 2,5 Plätze gut zu machen. Einer ist eben immer dabei.

Stau - time to shot

Stau – time to shot

Stauzeit gefühlte 10 Minuten … Transvulcaniafeeling kam auf 😉 Endlich verließen wir den breiten Pfad und sortieren uns, Stau drei, auf dem Singletrail Richtung Brevent ein. Ich hatte mittlerweile die Stöcke, neue Errungenschaft aus der Not heraus (keine Stöcke im Handgepäck), auf Arbeitslänge gebracht. Kann ich irgendwie blind. Selbes Fabrikat, wie die bereits besitzenden, nur 150 g schweren. Bin ja auch kräftiger geworden 😉

Den Mont Blanc links, die Lampenkaravane bei Kopf in Nackenlage gut zu erkennen. Es lief gut. Ich fühlte mich wohl. Nix zickte und zipperte. Ich war zufrieden mit dem, was ich da tat. Immer wieder ein verstohlener Blick auf den Höhenmesser, der zur Standardanzeige bei Bergrennen zählt. Die Kilometer piepsen eh automatisch aber auch eher unwichtig. Besonders beim Mont Blanc 80, der ja an die 90 km lang ist. Somit sagt die horizontale Distanz nicht wirklich was aus. Kann aber auch böse enden 🙂

Anfangs noch geht es recht zügig hinauf. Ab 1700 Höhenmetern, wir müssen auf knapp 2500 m von 1040hm am Start, wird es dann steiler. Mann kommt dem zur Folge auch schneller ans Ziel. Immer wieder wurde ein Foto geschossen. Der Mont Blanc erscheint „so nah, als wär man da“. Nein, Mann war da.

Dann endlich die erste Hütte. Die Sonne war bereits aufgegangen und erhellte den obersten Zipfel des fetten Steinmassivs. Ein traumhafter Anblick. Ich sockte, etwas abweichend vom Pfad, zum Chalet hinüber, um mich auf den Weiterweg vorzubereiten. Schnell ein Foto noch. Nein Danke, sagte ich zu einem Sonnenaufgangsfotografen dort oben, er brauche kein Foto von mir schießen. Selbstbesorger, sozusagen.

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Mont Blanc Massiv morgens gegen 6

Gleich oben, das erste Mal

Gleich oben, das erste Mal

ein Traum von Trail

ein Traum von Trail

Die Lampe wurde verstaut. Gern hätte ich mein Basecap aufgesetzt, doch das lag nicht mehr auf dem Boden im Zimmer, sondern auf dem Bett. Wurde also in der morgendlichen Routine vergessen. Dafür wanderte die Sonnenbrille auf die Nase und das war auch gut so. Denn wenige Meter nach dem Chalet begann das Schneefeld, das sich bis zum Brevent hinauf ziehen sollte. Einige eingebrachte Stufen waren anfangs noch zu erkennen.

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Hinüber zum Brevent

Doch bei geschätzten 700 Läufern, die vor mir waren, an bequemes Steigen nicht zu denken. Auch die gelegentlichen Laufpassagen fielen in diesem Jahr aus. Ich war ein wenig angenervt. Beruhigte mich aber wieder. So ist es aufm Trail. Erstens kommts anders und … als man denkt.

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Tapfer stapfte ich mit der Schlange hinauf. Überholen unmöglich. Also musst du mit dem Trott. Es war aber auch kein Fitzelchen Gestein zu sehen. So wurde der Weg offensichtlich nach Möglichkeit bzw. aktueller Schneelage geschaffen und wir kamen fast an der Seilbahnstation des Brevent raus. Mögen an die 50 hm oben drauf gesattelt worden müssen 😉 Kann man besser schauen. 🙂

Nix wieder runter

Nix wieder runter

Nun endlich der Downhill, wo mal richtig pace gemacht werden konnte. Ohhha. Auch Schnee. Nun gut. Um Sturzfrei zum VP1 zu kommen, musste Mann es auch nicht übertreiben. Also langsame Fahrt hinunter. Wenigstens laufen war möglich, wenn auch gaaaanz sorgsam. Leider gab es auch keine „Rutschen“, wie im letzten Jahr am Col de Terrasse. Im Allgemeinen wohl auch nicht steil genug. Fast genau auf 2100 hm war der Schnee zu Ende. Wie abgeschnitten. Das machen die doch extra, um uns den letzten gerölligen Downhill zum Gleitschirmstartplatz zu gönnen 😉 Ich checke im schnellen Bergab gleich mal die üblichen Verdächtigen. Hüfte ok, Füße perfekt, Knie schmerzfrei … ein Traum von Körperzustand.

Schnitt, hier endete die Schneelage

Schnitt, hier endete die Schneelage

Am Verpflegungspunkt wurden schnell die Getränke aufgefüllt. Nein, nicht schnell. Hier wurde serviert und nichts mit Selbstbedienung. War aber auch der einzige VP, wo das so gehandhabt wurde. So konnten wir in Ruhe durchschnaufen. Nach all der Hetzerei. Ach wir hetzten gar nicht?

Ich trank überraschend viel. War ich im letzten Jahr noch mit der dünnen Windjacke unterwegs, war es heuer extrem schwül. Der Veranstalter hatte vorher per SMS vor der Hitze gewarnt und auch im Vorstartbriefing wurde noch einmal auf die ungewöhnlich hohen Temperaturen verwiesen. 20 Grad in den Bergen, was wirklich extrem warm ist und 30 Grad in den Tälern. Im Schatten wohlgemerkt. Über 1700 Metern schon mal Schatten gesehen? Da war ich mit meinem UV-ignorierenden Hilfsbuff ja perfekt aufgestellt (Sonnenbrand auf dem Kopf ist Sch…). Also trank ich tapfer und regelmäßig. Ich hatte insgesamt 2,5 Liter Getränke dabei. Alles in Flaschen, um die Menge und deren Verbrauch nicht aus dem Auge zu verlieren. Der neue Trailrucksack ist hier eine wirkliche Innovation. 4 Flaschen voll gefüllt und nix wackelt oder nervt. Ich lobe ja nicht gern, aber da ist … ein guter Griff gelungen.

Knapp drei Stunden bis Planpraz

IMG_5042IMG_5037_gedrehtSchnell waren 1,5 Liter aufgefüllt. Eine Banane gegessen und weiter gings. Im Downhill die schneefreie Skipiste am Planpraz hinunter. Kurzer Gegenanstieg und dann ging es auch schon rauf auf den Trail hinüber nach La Flegere. Ein wirklich tolles Stück. Kaum Höhenunterschiede, also nennenswerte (glaube so 250 bis zum Skilift) legt man zurück. Dennoch kommt es das ein oder andere Mal zu kleineren, angenehmen Stauigkeit auf den schmalen Pfaden.

Wie aus dem Nichts, ich war auch in diesem Jahr sehr überrascht, taucht die Liftstation La Flegere auf, unterhalb deren man sich weiter fortbewegt. Kleine Kieselstraße zur Auflockerung und es trailt sich weiter zum nächsten „Gipfel“. Die beliebte Schlussetappe von „UTMB“ und „CCC“ wird nun (in umgekehrter Richtung) gelaufen. Bekannt (aus Funk und Fernsehen) kommt mir hier so vieles bekannt vor. Die Wasserlage doch recht ordentlich und bei großen Wasserfall musste ich an Mirko denken, wie er fast von einen Stein vernichtet wurde oder an Andrê seine Wassereinlage und an Mathias Stockverlust. Viel Luft war nicht mehr unter der kleinen Holzbrücke, auch heute nicht.

Je höher wir kamen, umso mehr Schneefelder tauchten auf. Waren diese passiert, waren spontan gebildete Seen zu umlaufen, sich von Grasinsel zu Grasinsel hüpfend vor nassen Schuhen zu bewahren. Ein toller Spaß, der die Zeit verfliegen ließ. Und tolle Bilder von Seen, die es eigentlich gar nicht gab obendrein. Endlich war der finale Downhill erreicht und zu viele übervorsichtige Läufer vor mir.

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Immer wieder meine Bitte um Überflugerlaubnis. Es ging zäh voran. Aber der Tag war ja auch noch jung und man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Irgendwann war dann endlich der Col de Montets erreicht. Ich hatte bereits das zweite Gel vernascht, ja vorbildlicher Ernährungsplan, und wie gerufen ein Papierkorb zur Resteentsorgung. Ja, ihr lieben Mitläufer. Da bin ich oldschool in nehme mein Krams mit 😉 Auch die kleinen Schnipsel gaaanz oben am Gelbeutelchen. 😉 Die passierenden Wanderer hatten alle ihre Hände vergessen. Kannste nix machen. Was nun folgte war der bequeme, endlich konnte man Tempo gemacht werden, downhill Richtung Vallorcine.

Neuseenland

Neuseenland

Einige Wanderer kamen uns entgegen. Ansonsten lässt man es hier rollen. Gut 6 Stunden auf ich auf den Füßen. Die erste Ortschaft wird erreicht und wir zweigten vor La Buet ab. Dem ersten großen VP, den ich nach 6:19 Stunden erreichen sollte (cutoff 7h, wie ich nun weiß). Schnell waren Getränke aufgefüllt. Mit Selbstbedienung geht’s einfach fixer. Eine kurze Sitzpause gönnte ich mir und packte bei der Gelegenheit gleich mal die Stöcke an den Rucksack. Hatte irgendwie das Gefühl, ohne Stäbchen besser klar zu kommen und so war es auch. Keine 10 min später war ich wieder aufm Trail. Die meiste Zeit verliert man am Fressstand!

VP2 erfolgreich abgefrühstückt

traumhaft

traumhaft

Eine Tüte Gummibärchen verputzend näherte ich mich dem nächsten Anstieg. Nun sollte es knapp 600 hm hoch gehen. Nix dicket. Am Anfang jedenfalls nicht. Wir passierten das geilste Restaurants in Le Buet. Direkt über einem reißenden Bach. Herrlich und sofort musste das IPhone aus dem Schnellzugriff gezückt werden. Auch hier hatte der Rucksack eine perfekt angebrachte Tasche, leider nur für IPhone 6 Größe. Ist ja auch das perfekte Trailfotografietelonierator 😉

Pause. Wir landen gleich. Der fliegende Trailreporter muss kurz unterbrechen …

Mittlerweile waren wir an die sieben Stunden unterwegs, als wir den kleinen Weiler, weiß nicht wie er heißt, passierten und den Traumblick auf die fetten 3- und 4 Tausender der Umgebung genießen konnten.

IMG_5080Ich war zügig unterwegs. Auf die Knie bebeugt, drückte ich mich den Pfad am Bach entlang. Aus der Ferne hörte man einen der ungezählten Wasserfälle rauschen. Die Begrünung schützte vor der unmittelbaren Sonneneinstrahlung. Es waren angenehme Temperaturen, frische Luft. Immer eine Wohltat. Stetig bewegten wir uns aufwärts. Ich war den mich umgebenden Stöckchentrailern ohne diese „überlegen“. Irgendwann war ich allein. Auch mal schön, ohne dieses ständige Geschnaufe 😉 Immer wieder schaute ich auf den Höhenmesser. Und er kroch. Wir mussten nun auf knapp 2000 m aufsteigen. Der sich dann anschließende Weg zum Col de Terasse war wegen der aktuellen Schneelage unpassierbar, sodass ein anderer Pass zum Emosson Stauseee gewählt wurde. Ich hatte dem keine besondere Bedeutung bei beigemessen. Na dann geht es eben wir 600 hm runter und 700 wieder hinauf. Das diese in Summe mehr Zeit kosten könnte. Daran hatte ich nicht im Traum gedacht. Der Aufstieg nahm kein Ende. Endlich war die Baumgrenze erreicht und der begehbare 3000-er kam in Sicht. Nun ging es noch „flott“ eine Wiese hinauf und keine 50 hm später wurde gescannt. Wir waren erst einmal geschafft. Knapp unter 2000 m fällt das atmen schwerer, ist man nicht gut gerüstet. Und ich war es nicht.

Col de Terasse

Col de Terasse

Ein paar Traumfotos, die Sicht gigantisch, später ging es auch schon wieder hinab. Bis kurz vor Vallorcine sollte der downhill andauern. Herrlicher Trail, der Zeit fraß, ohne Ende. Die Sonne war zur Hochform aufgelaufen. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder schattenspendenden Wald erreichten. Mein Getränkevorrat ausreichend. Ich machte auch regen Gebrauch davon. Die schwindende Höhe war auch an den Temperaturen zu merken. Es wurde wieder grillig. Immer öfter musste ich die ausgetrockneten Schleimhäute verwöhnen. „Stau“ an der Wasserstelle. Nein, keine offizielle. Die gab es nur aller 12-15 Kilometer. Immer wieder ein rauschender Bach oder ein Trog, der dessen Wasser auffing lud zur kollektiven Befeuchtung ein. Wieder solch eine Verwöhnstelle. Das eiskalte Wasser taten Kopf und Nacken gut.

Viele Läufer füllten auch ihre Trinkblasen. Ich hatte gut gewirtschaftet. Keine ungeplanten Verluste in den Schnabeltassen zu verzeichnen. Weiter hinab. Noch knapp 100 hm durch den Wald. Ein herrliches Teilstück. Anfang glaubte ich, mich verlaufen zu haben. So schmal und ausgesetzt war der Pfad. Doch die Beschilderung sorgte für Sicherheit. Übrigends wie immer vorbildlich. An dieser gibt es überhaupt nichts auszusetzen.

Der Alternativaufstieg

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Mühsam steigt der trailrunner

An einem kleinen Weiler erreichten wir den tiefsten Punkt der Strecke. Da ich andauernd schaute, merkte ich mir auch die Hohe: 1290 m markierte des tiefsten Punkt vor dem Aufstieg. Noch schnell ein wenig am Wassertrog eines Grundstücks genascht. Es ging die nächsten 2 Kilometer recht eben dahin. Wieder durch Wald geschützt, konnte sich die sonnenverbrannte Haut ein wenig erholen. Dafür war die Mittagshitze spürbar. Hitze, ich ich noch als angenehm empfand. Es muss um die 30 Grad im Schatten gewesen sein.

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schweißtreibend

Wir erreichten ein Tal, bereits von weitem waren die Wasserfälle zu vernehmen. Es wurde Baum- und damit schattenlos und es ging nach oben. Wege? Fehlanzeige. Herrliche Trails sorgten für Gemütlichkeit in der Fortbewegung. Irgendwo dort oben musste der Pass sein, den man bisher nicht sah. Knapp über 1300 m waren wir hoch. Somit war klar, dass an die 700 hm gekraxelt werden durfte. Ob Stöcke oder nicht. Auf dem felsigen Untergrund egal und bei den zu erklimmenden Felsstufen, je höher, desto extremer, auch eher Hupe. Wir kamen voran. Jeder Bach wurde genutzt, sich und seine unbedeckten Körperteile zu erfrischen. Ein Ritual, das alle Läufer hier bevorzugten. Warnschilder verieten, hier ging es zur Sache. Ich fühlte mich langsam, wie eine Schnecke. Nach dem ersten Kilometer, den die Fenix hier speicherte, wurde mein Gefühl bestätigt. Bluetrail-pace beim Aufstieg zum Pico del Teide war angesagt. Mann war das zäh. Ich schimpfte innerlich über diesen geilen Pfad. Er stand dem Aufstieg zum Col de Terasse (dem Originalweg) in nichts nach. Lediglich der Schnee und die dünnen Luft fehlten. Nein, es war härter. Viel Kletterei und rutschender Untergrund stellten die Trailfreunde auf ein harte Probe. Je höher wir kamen, desto langsamer wurden wir. Immer wieder mussten Verschnaufpausen eingelegt werden.

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Wasser …

Ich beschränkte diese auf die Stellen mit Bachquerung. Viele andere trailrunner suchten den Schatten der wenigen Büsche und Sträucher. 25 min/km der nächsten Kilometer. Das war heavy. Ich war recht angefressen. Der Pass, der erreicht werden sollte immer noch nicht in Sicht. Es wurde zäh. Ich hatte mental zu kämpfen. Ganz klar. Der Planet drückte, das Ziel nicht zu sehen und die pace unterirdisch. Einziger „Lichtblick“, das Leider der Mitkämpfer. Ich wurde nicht überholt, sondern „stürmte“ voran. Man war das ein Brett.

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Obeeeen!!!

Daaaa. Ein Wegweiser kam am Horizont, geschätzte 100 hm über mir in Sicht. Lichtblicke. Die Motivation stieg. Vorher noch ein etwas breiteres Bachbett, was es zu überqueren galt. Alta, was war hier los? Trailrunner, sitzend, völlig apatisch wirkend, kippten sich Wasser mit dem Trinkbecher auf den Kopf. Bilder, die man nicht wieder vergisst. Es wurde anstrengend. Die Steigung hatte mittlerweile die 5 vorn erreicht. Also 55% sind gemeint. Was für ein Gesteige und Gekletter. Das erspähte Hinweisschild wieder verschwunden. Eine Fatamogana? Mann war das eine geile Sche… . Zwei Wendungen … Pause. So die Strategie der Meisten. Die Kilometerpace mittlerweile bei 28 min/km. Da kommst du voran. Wir alle waren froh, uns überhaupt noch zu bewegen. Immer wieder, galt es die Steilstufen hinauf zu klettern. Die Hände hilfreich, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Wir waren mitten in der Wand.

Ohh, da oben. Keine Felsen mehr. Weg. Ein Weg!!! Nur noch 30 % Anstieg . Man könnte laufen. Ja, ne. Ist klar. 😉 Das Plateau. Fast erreicht. Oben. Meine Arme flogen nach oben, ein Freudenschrei musste sein. Wir waren oben. Smart- und IPhones wurde gezückt und zurück fotografiert. Vor uns der Emosson-Stausee. Ein Ausblick, der sich nicht beschreiben lässt.

Drauf auf dem Damm

Ein Gefühl, das man selten hat. Yes. Wir waren oben. Das Lächeln kehrte in unsere Gesichter zurück. Kurz vor 15 Uhr erreichte ich den Staudamm, auf dessen Krone wir hinüber zum VP liefen, joggten, krochen. Nein wir waren gigantisch schnell unterwgs. Gemessen an der Fortbewegungsgeschwindigkeit der letzten 3 Kilometer. Eine Gerüstbrücke brachte uns auf den Damm. Mein Weg. Es ging neben uns, nur durch ein Geländer geschützt (gefühlte) hunderte Meter hinunter. Vor uns schon die Gerüsttreppe, die uns zum VP hinauf brachte. Schnell noch ein paar Fotos. Es war ein Traum von Aussicht. Auch konnten wir die Originalstrecke sehen. Bis zum Stausee mit Schnee bedeckt. Unmöglich, dort zu laufen.

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Blick zurück

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besser geht es kaum

Ich erreichte die Seilbahnstation und damit den Süffelstand. Schnell wurden drei Wasserflaschen aufgefüllt, mit Elektrolythen angereichert. Noch ein Stück Kuchen gegessen, welches gerade so drin blieb. Ich musste weiter. Viele Läufer rasteten. Suchten Schutz im Schatten der kleinen Gebäude. Ich hatte das Gefühl, genug Zeit verloren zu haben und sockte sofort wieder los. Das Abstieg hatte es in sich. Im letzten Jahr versagten die SLAB Ultra SG kläglich. Ich war gespannt, wie die SLAB Wings 7 die Steilabstiege beherrschten.

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VP 3 Emosson-Stausee

VP 3 Emosson-Stausee

Zunächst folgten wir bis zur Bahntrasse diversen Steinplatten. Verschiedenste Ausprägung, nur wenig Trittfläche hatten sie alle. Immer wieder konnte ich überholen. Auch Stöcke hier eher hinderlich. Meine steckten seit 16 Kilometern im Rucksack und das war gut so. Nach der Querung der Bahnstrecke, der direkte Abstieg immer noch halsbrecherisch, ging es im Wald weiter. Kein rutschen in diesem Jahr auf dem losen Waldboden. Die Schlappen machten einen guten Job. Wir bewegten uns recht zügig nach unten. Immer aufmerksam. Auf den teils seil- und kettenversichterten Singletrails. Bei 13xx Metern wurde ein kleiner Weiler mit angeschlossenem Wasserbottich erreicht. Mein Mentalziel beim Abstieg. Etwas abseits vom Weg, aber bekannt aus dem letzten Jahr. Wieder war es drückend heiß hier unten.

Nach ein paar Metern Asphalt, wir durchliefen die kleine Häuseransammlung, wechselten wir auf einen Graspfad, der auf einen Singletrail uns die verbleibenden 200 hm zur Kontrollstelle bringen sollte. Nach ein paar 100 Metern entspanntem Laufen, es war eben und weich, herrlich weich, stürzten wir uns wieder in den Wald. In geschlossener Formation erreichten wir die Kontrollestelle für die Pflichtausrüstung.

Abenteuerlich nach Querung der Bahntrasse

Abenteuerlich nach Querung der Bahntrasse

Doch warum kontrollierte keiner was. Die „Damen vom Grill“ telefonierten. Na legt doch endlich mal einer was raus? Wieso hat keiner seinen Rucksack ab? Na dann lasst mich. „Finito, no diskus!“ Hörte ich. „Wie, finito?“ Ich fragte nach „no control?“ „No! finish!“ Wie finisch? „No diskuss!“ Schluss, aus. Ich fragte nach „Cutoff Time?“ „Yes“ Ein wilder Tumult entstand. Ich konnte das gar nicht glauben. Hier war cutoff Punkt. War ich so langsam. Ich hatte noch 12 Stunden Zeit bis Chamonix. Hier kann doch nicht Schluss sein?

Zieleinlauf, was wir hier noch nicht wussten

Zieleinlauf, was wir hier noch nicht wussten

Ich nahm es hin, während einige wild gestikulierten. Eine junge Frau konnte ihre Tränen nicht mehr verbergen. Das Herausschneiden des Kontrollabschnitts besiegelte das Ende. Das wars. Schluss aus. Mein erstes Cutoff. Um 5 min und 39 sekunden (wie ich zuhause feststellte) zu langsam. Die Cutoff Zeit vom letzten Jahr wurde um 30 min verringert, damit keinem nachts auf dem „Col de Balme“ durch die Schneefelder Muss. Habe ich auch erst zu hause nachgelesen.

Ziel ... für heute nach 12:05 Stunden

Ziel … für heute nach 12:05 Stunden

Ich sank an einer Hauswand zu Boden. So eine Sch … Warum war ich so langsam? Mit cutoff hatte ich nicht gerechnet. Garnicht realisiert, dass hier ein Kontrollpunkt ist. Hier, im nichts. Ja, ich war heute zu schwach für diesen Trail. Ich hatte meinen Meister gefunden. Knapp eine Stunde später fuhr ich mit französischen Trailrunnern im Auto nach Chamonix zurück. Die Rücktransport durch den Veranstalter war irgendwie nicht oder noch nicht geklärt. Zur Not konnte man aber auch mit dem Train direkt bis Chamonix zurück reisen.

So endete mein zweiter „Marathon du Mont Blanc 80 km“ nach

12:05:39 h

im schweizerischen Finhaute. Take it easy. Ich war ruhig, gefasst, gelassen. Zu kaputt, um wirklich zu verstehen, was hier gerade passiert war. Nach DNS zum Bluetrail, einenem DNF beim Ultratrail Barcelona nun der dritte ziellose Ultratrail. Nun ists aber genug!!! Das Training ist zu forcieren. Gleich am nächsten Tag geht es los, wenn es denn geht!

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The winner takes ist all …

Zielfotos

Zielfotos

 

Mal wieder runter, zum Mont Blanc

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Und schon sitzt er wieder im Flieger und wieder fliegt er an den höchsten Berg der Alpen.

Mein Highlight des Frühjahrs steht bevor. Ja, etwas komisch geplant und eigentlich ist’s ja auch keines. Trailrunner haben irgendwie immer Saison. Und Ultratrailläufer planen anders. Also, ich zumindest tue das. Das Erlebnis, das Event steht im Mittelpunkt. Zeiten nur Makulatur. Natürlich vergleicht Mann die Zahlen des Vorjahres. Versucht sich einzureden, dem Verfall im Alter ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Auch dieser Lauf wieder limitiert. Im Losverfahren wurden 1000 Trailrunner auserkoren, die 6000 Höhenmeter auszuhalten. Gut 24 Stunden hat man Zeit, den Lauf der ITRA-Kategorie 6 zu absolvieren. Natürlich werde ich in die Nacht hineinlaufen. Nicht, ohne kurz nach dem Start (4.00 Uhr) ein Sonnenaufgang am Mont Blanc zu erleben. Auf den ersten 7,7 Kilometern werden wir uns 1400 hm zum Brevent hinauf schlängeln. Links neben uns das Mont Blanc Massiv. Zum Anfassen nahe. Von leicht bläulich wird es sich in schneeweiß verwandeln, wenn der Tag erwacht.

Was tut man, Stunden vor dem Lauf. Es wird die Form analysiert, zumindest wird mal ins Trainingstagebuch geschaut und ein paar Statistiken abgerufen. Die Messwerte des Vor- mit denen des aktuellen Jahres verglichen. Es sind in jedem Fall geringere Umfänge. Die große Inselquerung im März hat ihre Spuren hinterlassen und ließ es mich ein wenig vorsichtiger angehen. Zumal das ein oder andere Zipperlein langsame Kraft voraus verlangte. 5000 Höhenmeter weniger als im Jahr zuvor sollten zumindest eines bewirken. Ich bin ausgeruhter 😉 Klar geistert mir der VP in Les Bois (km 64) im Kopf herum. Als ich völlig neben mir den weiteren Aufstieg anzweifelte. Wie wird es mir in diesem Jahr ergehen. Von dort nur noch ein Halbmarathon mit 1300 hm im Aufstieg.

Leider bleibt uns in diesem Jahr der „Col de Terasse“ mit seinen 2648 m verwehrt. Zu aufwändig wäre es, das Riesenschneefeld zu seinen Füßen zu sichern. Also laufen wir nach Vallorcine hinunter und steigen von dort zum Lac d`Emosson Stausee auf. Es macht keinen Unterschied, was die kumulierte Höhe anbelangt. Wohl aber bewegen wir uns in dickerer Luft. Ab 2200 hm merke ich schon, dass ich nicht akklimatisiert bin und muss langsam machen und vorsichtig sein. Anders, als es beim UTMB in 2 Monaten sein wird, wo ich 2 Wochen vorher anreise, ist der „Mont Blanc 80“ ja wieder ein Quicki. Schnell hin, rauf, runter und wieder nach Hause. Diese 4 Tage am Fuße des Mont Blanc werden mir wie 4 Wochen vorkommen. Ja, es kommt jeden Tag der gleiche Film … Berg. Mann kann seinen Blick einfach nicht von diesem weißen, fetten Gebilde lösen. Jeder, der schon einmal hier war, war hoffentlich genauso fasziniert, wie ich es jedes Mal aufs Neue bin.

Die letzten beiden Trainingswochenenden waren sehr effektiv. Gelaufene Höhenmeter und das 3 Tage in Folge bringen es wirklich. Am letzten Sonntag fühlte es sich richtig an.  Keine Schwäche an den bequemen Steigungen. Bis 16 % wurde alles gelaufen, egal wie lang und auch der downhill tat nicht mehr weh. Der, mit der 4 vorn in der pace.

Nun bin ich natürlich gespannt, wie sich die echten Berge anfühlen. Mitten im Training für den UTMB ist der Marathon du Mont Blanc einer der längeren Läufe in der unmittelbaren Vorbereitung. Nur die Hälfte der UTMB-Distanz. Auch „nur“ knapp die Hälfte der Höhenmeter. Dennoch schwieriger als der UTMB in seinem technischen Anspruch. Aber einen auch nur eine Nacht lang  😉

Am Freitag Nacht werde ich wissen, wo ich stehe und was es noch zu tun gibt, bis zum 26. August 17:00 Uhr. Aufgeregter noch, als im letzten Jahr sehne ich den Start in 33 Stunden herbei. Es kribbelt.

31. Horizontale rund um Jena – Heimatgefühl

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copyright by jenaparadies.de und Laufservice-Jena

In diesem Jahr, bereits meine 7. Teilnahme in Folge, war alles irgendwie anders. Es war mir völlig unklar, wie ich es pünktlich zum Start schaffen sollte. Im Gegensatz zu den Jahren zuvor gab es keinen Urlaub am Starttag. Zu viele (Lauf)Termine buhlen um die wenigen Urlaubstage, die ein Angestellter auf seiner Habenseite hat. Dennoch schaffte ich es ganz gut an den Start. Nur 3 Staus bis in die Toskana des Ostens machten die Anfahrt zum spannenden Angelegenheit. Sicher aber hätte ich auch noch nach 19 Uhr starten können, hätte ich den Sebastian (eine der guten Seelen der Wanderung und seit 2011 Gesamtleiter) noch eine Startantenne eingeschaltet gelassen 😉

Sehr viel interessanter würde sich das Rennen gestalten. In diesem Jahr gingen die Wanderer pünktlich um 18:00 Uhr auf die Strecke. Ich hingegen hatte nach 700 km Anreise im Auto dicke Beine. Es würde sich weglaufen. Der Meister der Selbstsuggestion lief zur Hochform auf. Besonders toll der Besuch vor dem Start durch 2 alte 100-km Hasen. Danke für euren Besuch, ihr lieben.

Lange Anreise vom letzten Zipfel des wilden Ostens

Lange Anreise vom letzten Zipfel des wilden Ostens

Ich hatte zur Gewöhnung eine (fast) komplette UTMB_Pflichtausrüstung dabei. Nach dem UTBCN war ich ja nicht mehr im Besitz eines 12 Liter Laufrucksacks. Somit gestaltete sich die Neubeschaffung in nur 4 Wochen als ein abenteuerliches Unterfangen. Ich war nicht mehr bereit, über 100 € für einen Campingbeutel auszugeben. Das ist keiner Wert. Bis auf einen vielleicht und der kostet dann ja 200 € 😉 Also entschloss ich mich zu einem Markenwechsel. Bereit in den vergangenen Wochen hatte ich ja einige Beutel im Test. Der Transportsack für die nächsten 100 km war genau 2 Stunden getestet. Na wenn das mal kein ausreichendes Checking ist 😉

Die Zeiger der Uhr drehten am heutigen Renntag wohl besonders langsam. Immer wieder prüfte ich die Ausrüstung. Alle Sachen dabei. Kleidung asitzt. Getränke aufgefüllt und fest gezurrt. Reserve-Flaschen (leer) dabei? Alles war gut. Vaseline aufgetragen? Radhandschuhe an? Stöcke eingestellt? Alles gut. Zeit, sich aus der Sporthalle ins Freie zu begeben. Der Startbereich war nur von wenigen Teilnehmern gesäumt. Vorwiegend Läufer warteten die Minuten bis zum letztmöglichen Startzeitpunkt ab.

Dann waren es nur noch 5 Sekunden. Die Offiziellen scherzten, dass ja nun die Startzeit abgelaufen sei. 19:00:38 Uhr passierte ich die Startantenne. Zeit, die Laufuhr und das GPS zu starten. Ich hatte heute die Ruhe weg, wie der Thüringer sagt, gäh. Bis zum frühen Morgen, so das Ziel, würde ausreichend Zeit zum hetzen sein. Keine 10 Sekunden später lief die Fenix-3 im Aufzeichnungsmodus und ich im Ultraschlappmodus. Mehrfach wurde ich angesprochen … Ja, der bin ich … Ja. Ja. Nerv! Nerv! 😉 Die zweitschnellste Zeit ever auf diesem Kurs macht sicher bekannt. Ich wollte einfach nur mein Rennen laufen. Langsamer als im Jahr zuvor. Irgendeine 13-er Zeit sollte es sein. Nicht zu schnell. Einfach genießen, so der Masterplan.

Traumhaft

Traumhaft

Zunächst ging es immer in Richtung Fürstenbrunnen. Leicht ansteigend auf Asphalt, nichts dicket. Mein Puls gefiel mir jedoch gar nicht und auch das Wandern am letzten Anstieg zum Brunnen machte ein wenig unruhig. Schwere Beine und hoher Puls sind gute Anzeichen für einen gemütlichen Lauf. Und der sollte es dann auch werden. Rrecht schnell lief ich auf die ersten Wanderer auf und konnte problemlos passieren. Wir liefen in diesem Jahr in Uhrzeigersinn um Jena (wird jährlich gewechselt) und in dieser Richtung war das Überholen der 1000 Starter, die vor mir waren, etwas komplizierter, als in der Gegenrichtung. Der Pfad oft nur für 1 Paar Füße ausgelegt, war denkbar ungeeignet.

Johannisberghorizonntale

Johannisberghorizontale – haste auch ne App?

Traumhaftes Wetter in einer wunderschönen Landschaft. Die Toskana des Ostens

Traumhaftes Wetter in einer wunderschönen Landschaft. Die Toskana des Ostens

Immer wieder schloss ich mich den Wanderern an, anstatt um Passage zu bitten. Es wurde bei Bedarf sehr gern Platz gemacht. Die Läufer auf dieser als Wanderung konzipierten Veranstaltung sehr gering, da platzt man gern, weil eher selten.

Die Starter vom Lobdeburglauf werden die Pfade wiedererkennen.

Die Starter vom Lobdeburglauf werden die Pfade wiedererkennen.

Kurz vor Ilmnitz dann die angekündigte Streckenänderung. Ich erfuhr von dieser erst nach dem Lauf. Sicher muss man vorher mal die publizierten Änderungen im Netz lesen oder beim Briefing vorm dem Start nicht in der Halle chillen 😉 Ich hab es dank hervorragender Ausschilderung trotzdem gefunden. Gar nicht so übel die neue Strecke, wenn gleich ein paar Meter verkürzt wird und ein krasser downhill fehlt. Nun konnte ich frei laufen, was ich dann auch tat und die Fenix mit der Rundenspeicherung gut zu tun hatte. Schnell war VP 1 in Zöllnitz erreicht. Sebastian macht natürlich gleich wieder seine Scherze, wie schnell ich denn heute laufen wolle und das er ab 6 Uhr am Ziel sei. Nein, nein. Ich laufe heute langsamer, so die Reaktion. Und ich lief wahrlich langsamer. Knapp 40 Minuten hatte das nicht überholen vom Zeitkonto gefressen. Sei es drum. Es war eine wunderschöne Strecke, die Sonne schien, die Aussicht traumhaft und die Stimmung unter den Teilnehmern (noch) ausgelassen und lustig. Klar würde sich das ändern. Anstrengung kann man nicht weglächelt, die erträgt man schweigend … 😉

Vorbei an Ilmnitz ... neue Streckenführung. Kein Weidezaunklettern mehr. Keine nassen Füße in den Wiesen. Aber auch kein krasser downhill mehr ins Tal.

Vorbei an Ilmnitz … neue Streckenführung. Kein Weidezaunklettern mehr. Keine nassen Füße in den Wiesen. Aber auch kein krasser downhill mehr ins Tal.

Schnell war der VP nach einem Becher Tee wieder verlassen. Am Zöllnitzer Bordstein, die Ortsmitte war erreicht, habe ich dann doch auch mal die Kleidung für die Nacht angelegt und das Teelicht auf den Kopf geklemmt. Es dämmerte schnell und im Wald war es bereits Rabennacht. Apropos Rabe … Die Rabenschüssel mein nächstes Ziel. Nur noch wenige Wanderer waren vor mir. Bis Maua, km 26 wird erreicht, hat man es dann geschafft. Die letzte Gruppe überholte ich auf dem Feld kurz vorm Abstieg nach Maua. Die Strecke kenne ich mittlerweile, wie aus dem effeff. Das große Verlaufen morgens halb 4 hat sich tief eingeprägt. Nun war ich weitestgehend allein. Es war immer noch mächtig warm. Ich trank jetzt viel, für mein Empfinden und so befüllte ich auf dem Friedhof in Maua (Vorsicht, kein Trinkwasser aber ich vertrage es) noch einmal eine meiner Reserveflaschen. Bis km 43 sollte ich nun kommen. Mit knapp 2 Liter Flüssigkeit im Rucksack. Meine Beine waren immer noch recht schwer und gummig 😉 So wurden die wenigsten Anstiege gelaufen. Schade. Aber vielleicht ist solch eine lange Anreise vor dem Lauf nicht so das Optimum 😉

Erst mal Pause ... Landschaft aufsagen . Dafür ist die Horizontale berühmt. berüchtigt .... Geile Landschaft, krasse Ausblicke.

Erst mal Pause … Landschaft aufsagen . Dafür ist die Horizontale berühmt. berüchtigt …. Geile Landschaft, krasse Ausblicke.

Da half kein Jammern. Sind ja nur knapp 2500 Höhenmeter und übermäßig technisch anspruchsvoll (bis auf wenige Ausnahmen) ist der Weg auch nicht. Für mein Empfinden, ganz klar. Ich rechnete bereits, als ich nach 31 Kilometern (den VP3 der Gegenrichtung) das Wanderheim Leutra erreichte. Nach Demontage der Autobahn nun ohne Tunnel. Dafür Ruhe, wie im Grab. Kein Autobahnlärm mehr auf dem 7 km langen Aufstieg von Maua nach Pösen. Nur der kleine Bach durchschnitt die Ruhe der Nacht. Also hinüber zu ihm. Einen Schluck trinken, Gesicht frisch machen und weiter. (Achtung, auch kein Trinkwasser!!!, da Pösen hier (wahrscheinlich) einleitet). Vorbei am ehemaligen Autobahnparkplatz erreichten wir die Spitzkehre und es ging hinauf nach  Cosputh. Ewig zieht sich des Asphalt durch die dunkle Nacht. Mein schwacher Uphill machte sich mal wieder bemerkbar. Alle Lämpchen vor mir verschwanden in der Dunkelheit. Oben angekommen war bereits von weitem die Lüfterstation des Jagdbergtunnels auf dem Ziegenberg zu hören. Ich war wieder am lockeren traben und konnte zu den verlorenen Lichtern aufschließen.

Der Karoman, leider nicht zu erkennen.

Der Karoman kurz vorm Insektenhotel, leider nicht zu erkennen.

roadbook

roadbook

Unverhofft kommt oft. Die Bundeswehr hatte wieder einen außerplanmäßigen Süffelstand errichtet. Alles, was es braucht. Vor allem mein Leibgetränk Tee war im Angebot. Herrlich!!! Danke, lassen sie rühren, Genossen ähh Kameraden. 🙂  Schnell waren die Flaschen aufgefüllt und ein Beutelchen Gummibären dankend angenommen. Hinauf ging es zum Funkturm, den man nicht ganz erreicht. Mein Trainingsgebiet des letzten Frühjahrs wurde durchstreift. Hier kannte ich jeden Stein und jede Steigung. Sauber wurde hier gejoggt und Meter gemacht. Auch die Verlaufstelle aus 2014 erkannt und gemieden. Hier kann man schon mal wild durch die Nacht suchen, folgt man dem breiten Fahrweg und verpasst den Abzweiger ins „Unterholz“. Mir blieb dies heute erspart. Nun ging es nur noch downhill bis zum offiziellen VP2. Ich fand ihn voll bestückt. Schnell waren die leeren Flaschen befüllt. Ein, zwei Apfelstücken genommen und weiter ging es Richtung Papiermühle. Mein nächster Mentalpunkt.

Mittlere Horizontale ... am morgen danach

Mittlere Horizontale … am morgen danach

e pacte ich dann ab dem Bach im Rauetal bis zum Rosenthal hinüber „recht ordentlich“. Einen Anreiz braucht es schon, so mutterseelenallein durch die Nacht zu rennen. Mit einer Bestzeit war nicht zu locken und die Erwartung auf das unbekannte Kommende hielt sich auch in Grenzen. Wie sollte ich mich also motivieren? Es war nicht einfach. Das kam mir dieser „Verfolger“gerade recht. Nichts änderte dieser allerdings an meinen Gummibeinen, in denen so gar keine Power zu stecken schien. Puls im Keller, Hügel kommste nicht hoch getippelt. Schlümm. Die Hüfte krampfte ein wenig. Aber das war ja nun auch nichts neues. Zu wenig Salz hatte das Nagetier dabei. Obwohl ich bereits 6 Stikcs vernascht hatte, kam ES immer wieder. Aber Schmerzausblendung konnte ich ja ganz gut. 😉 Immer ging es bergan. Hinter jeder Biegung erwartete ich den downhill ins Rosenthal. Und es gab viele, nein verdammt viele Biegungen hier. Es lief sich wunderschön hier oben. Der neue Tag brach langsam an. Zu dunkel noch, die Lampe auszuschalten. Allerdings außerhalb der Bewaldung schon recht anheimelnd.

Nach dem Aufstieg zum Heckelstein folgte der Schottplatz und schon ging es im downhill hinunter zur Papiermühle. Da es ganz ohne verlaufen nicht abgehen kann, legte ich ein paar Zusatzmeterchen ein und verpasste scharf links in die Straße „Am Tazend“. Dafür aber fand ich einen herrlichen Singletrail, der mich wieder auf den alten Weg zurück brachte. Die Orientierung nicht so leicht, denn es war Rabennacht und nicht jede Straßenlampe steht in der Zielstraße 😉 Das Gestrüpp war nass und kratzte. Mein Laufgebiet 😉 Traumhaft zugewachsen 🙂

Fast zu schnell erreichte ich die Papiermühle. Über die Hälfte der Distanz war nach 7,5 Stunden erreicht. Nun die Promenade der Sonnenberge hinauf zum Landgrafen. Wunderschöne Blicke ins lichtüberflutete Jena bei Nacht mit der Keksrolle in der Mitte sagen dir, alles richtig gemacht. Auch hier gab es 2014 ein böses Wegesuchen. Heute lief alles bestens und es war sogar noch Party im Landgrafen. Ich verzichtete auf einen Besuch 😉 und peilte mein nächstes Ziel, den VP3 in Kunitz an. Zunächst ging es ins Rauetal hinunter. Ich war recht angefressen, der Kopf wr nicht frei und das laufen fiel immer schwerer. Angetrieben durch nachlaufende Stirnlampe.

Jena bei Nacht. Zeit für das ein oder andere Foto sollte man sich nehmen

Jena bei Nacht. Zeit für das ein oder andere Foto sollte man sich nehmen

 

Endlich war der Downhill erreicht. Hier, wo die Saalehorizontale hinüber nach Dornburg verläuft. Ich folgte in das dunkle, schwarze Loch. Ein Fest für die Oberschenkel, die teils kleine Rinne herunterzuknallen. Die NAO wurde auf 350 Lumen geschaltet. Tageslicht erhellte den Pfad. Noch ein paar Treppen und ein kleiner Feldtrail und der Ortsrand von Zwätzen war erreicht. Auf meinem roadbook km 63. Etwas zeitiger war ich hier. Die Streckenanpassung bei km 16 verkürzte ein wenig.

Das ist es, das Hufeisen mit der Kunitzburg. Auf dem Weg von Zwätzen nach Kunitz.

Das ist es, das Hufeisen mit der Kunitzburg. Auf dem Weg von Zwätzen nach Kunitz.

Nun wurde es „voll“ auf dem Weg. Mehrere Läufen wurden gesichtet und überholt. Bevor ich den lange Gerade nach Kunitz hinüber wanderte. Ich glaube, ich bin hier immer gewandert. Genoss einfach den erwachenden Tag, das plätschern der Saale rechter Hand. Es war ein diesiger Morgen. Das Hufeisen mit seinem sichtbaren Großen Gleisberg erschien riesig. Würde der VP3 bereits besetzt sein? Überpünktlich waren die Offiziellen am Platz und alles war fertig. Eine Augenweide, was ich da erblickte. Ich beschloss, eine Weile auszuharren. Trank Tee. Füllte meine Flaschen wieder auf, nein. Sie wurden aufgefüllt. Danke … Ihr seid soooo lieb. Ich aß ein paar Brote mit Salami und Käse.

Herrlich, was hier los war. Kaffee und Waffeln, Obst und Gurken. Ich hätte den halben Tag hier verbringen können. Nach 10 Minuten bedankte ich mich und begann den vorletzten größeren „Aufstieg“. Immer noch hatte ich die Stöcke im Einsatz. Alle wanderten mir davon und ich sollte von den Gemeinsamlosgehern auch nur wenige wieder sehen. Endlos zieht sich der Weg in Serpentinen aufs Hufeisen hinauf. Irgendwann wird die Ruine der Kunitzburg passiert und dann ist klar. Gleich bist du oben. Nun folgt das endlos scheinende überschreiten des Hufeisens. Erst 2 Kilometer in die eine Richtung, dann 1 Kilometer queren und dann 2 Kilometer in die anderer Richtung. Spitzkehre und 1 Kilometer zurück. Eine gefühlte Ewigkeit ist man hier oben unterwegs. Die Fahrwege nehmen kein Ende. Alles sieht irgendwie gleich aus, so von Bäumen umgeben. Ein anstrengendes Stück, mental gesehen.

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Ein Blick zurück kurz vor Wenigenjena

Dennoch schafft man es irgendwann und kann den wunderschönen downhill nach Wogau hinunter donnern. o.k. das donnern war eher ein verhaltenes traben 😉 Über einen Kilometer geht es hinunter bis zur „Deutschen Eiche“. Sie hatte noch zu, sonst kann man hier auch lecker frühstücken 😉 Oder ein Bier bekommen? Das wäre mal was gewesen. Am Abend zuvor noch wollte ich hier ein Depot einrichten. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit während der Anreise kam es leider nicht mehr dazu. Schnell ist Wogau verlassen und Jenapriesnitz erreicht, bevor es wieder auf naturbelassenen Pfaden weiter geht. In Wenigenjena dann endlich der letzte Aufstieg. Ich entschied hier auf Tagesgarderobe, packte die Laufjacke ein und verstaute die Stöcke am Rucksack. Tief gebeugt nahm ich den Aufstieg zum Fuchsturm. Man sieht ihn ewig und erreicht ihn viel zu spät. Der Aufstieg nur alle 2 Jahre im Programm und dennoch jedes Mal die selbe Qual. Und vor allem erinnert man sich daran, als wäre es gestern gewesen.

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Der Fuchsturm. Kontrollpunkt auf der Aussichtplattform – behauptet man. 😉 (Horizontalelatein)

Schnell wurden ein paar Fotos geschossen und der Asphalt nahm mich auf. Keine 2 Kilometer später war ich am letzten VP und auch dieser war bereits geöffnet. Herrlich. Viele waren noch nicht da. Lecker war es auch hier, wie überall. Nach innigen Gesprächen über die Veranstaltung, das Wandern, die alte A4 bei Pösen, saure Gurken und SauermachtlustigThemen verabschiedete ich mich nach über 10 lustigen und entspannenden Minuten schweren Herzens vom letzten VP. Bis bald, ihr lieben Helferlein wenn es wieder heißt: „Willkommen bei km 85“.

Meine liebster VP

Meine liebster VP

Mit Schmalzbrot im Bauch läuft es sich hervorragend. Eine zusätzliche Messerspitze Salz drauf und … Schmerzfreiheit, ich begrüße dich in der Hüftgegend. Etwas wehmütig verließ ich das Steinkreuz. Erst in 2 Jahren wieder ein Fressstand, mein liebster übrigens, hier am Ort. Denn nur in dieser Laufrichtung wird hier oben pausiert. Nun waren noch knapp 15 km zu laufen. Das wilde rechnen fing an oder ging eher weiter. Es war der Zeitpunkt gekommen, sich über eine geile Zielzeit Gedanken zu machen. Ich mutmaßte, dass eine 13-er Zeit zu viel Selbstmotivation bedeuten würde, ich ich mir nicht antun wollte. Aber 14:14 Stunden wäre sicher cool, machbar und wurde den Spaß an der Restdistanz nicht all zu sehr trüben. Im Intervallmodus näherte ich mich dem Fürstenbrunnen.

Jetzt noch nicht ... pausdieren. Obwohl es verlockend aussieht. Mit Wandererresten ... bees kommentara.

Jetzt noch nicht … pausieren. Obwohl es verlockend aussieht. Mit Wandererresten … bees kommentara.

Jeder Wegweiser wird nach der noch zu laufenden Distanz gescannt. Immer in der Hoffnung, es geht schneller. Aber es zieht sich, wie Kaugummi. Immer, wenn du glaubst, das Penikental vor dir zu sehen, ist eine erneute Talumrundung angesagt.

Studentenrutsche, Diebeskrippe. Nun ist es nicht mehr weit. Downhill, oh. Gleich da. In diesem Jahr gab es keine Trinkflaschen am Fürstenbrunnen. Dafür 2 cm kaltes Quellwasser. Herrlich. „Danke, für die Erfrischung“ und ich schaltete einen, nein zwei Gänge hoch. Fast exakt 5 Kilometer waren es von hier bis zum Ziel und hier wird immer endbeschleunigt. Bis auf mein Seuchenjahr ist das auch immer gelungen. Die 5:10-er pace war wir dann doch etwas zu flott nach durchzechter Nacht. Also 10 sec. langsamer 😉 Ich war voller Zielendorphine und wollte nur noch den Zielbogen sehen. Schnell durch Wöllnitz gesockt und dann die restlichen, endlosen 2 Kilometer Asphalt bis zum USV Sportgelände durchlaufen. Ich passte die pace auf die nun errechneten und erreichbaren 14:07 Stunden an und erreichte den Zielbogen kurz vorm umschalten der Laufuhr.

Noch ein wenig warten und dann ran an die Zielantenne. 4:06:36. Mist. Zu schnell gewesen 😉

Alles für die Naddel. Nummer sieben!!!

Alles für die Naddel. Nummer sieben!!!

Wieder ging eine wunderschöne Horizontale zu Ende. Das Wetter traumhaft. Erstmals nicht gefroren, mir tut nicht (neues) weh und mit der Zeit kann ich sehr gut leben.

Kleinere Hauptirritationen

Kleinere Hauptirritationen

Bis zum nächsten Jahr, zu meiner 8. Horizontale mit 1 Tag Urlaub vor dem race. Danke liebes Orga.-team und ihr vielen helfenden Hände. Danke für eure unverwechselbare, liebe Art. Ich muss wieder kommen. Tut mir leid. Ich seid einfach die Besten.

Hier noch ein paar Aus- und Ansichten vom Lauf.

Eine Stadt erwacht

Eine Stadt erwacht

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Kunitzburg

Kunitzburg

Schilderwald Am Schloßberg

Schilderwald Am Schloßberg

Älteste Berggaststätte Jenas: der Fuchsturm

Älteste Berggaststätte Jenas: der Fuchsturm

Das südliche Jena von den Kernbergen aus gesehen

Das südliche Jena von den Kernbergen aus gesehen

In den Kernbergen ... mittlere Horizontale

In den Kernbergen … mittlere Horizontale

Ultratrail de Barcelona oder Long Trail de Barcelona

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Nach meiner Ankunft auf dem Flughafen El Prat hieß es, Bus suchen. Durch Flugverschiebung war ich in die missliche Lage geraten, dass alle Autovermieter bereits geschlossen haben. Also mit dem Bus zum Hotel im nur 8 km entfernten Castelldefels.

Schnell hatte ich das Ziel erreicht. 18 Haltestellen. Die meine kannte zwar googlemaps, nicht aber der Busfahrer. Garmin-Navi sei Dank, Onlinekosten gespart und perfekt ausgestiegen … Schlafen. Um 01:30 Uhr war es dann endlich so weit. Nach einer langen Woche, Kraft tanken. Der Wecker stand auf 08:00 Uhr. Natürlich war ich vorher war. Frühstück im Hotel. Kleine Wanderung in der näheren Umgebung mit abschließenden Bustransfer zum Autovermieter am Flughafen. Ultralange dauerte es. Aber ich hatte Zeit und nichts weiter vor, als die Startnummer zu holen. Für das kleine Geld, das mich der Wagen für 2,5 Tage kostete wurde noch Außenterminal geshuttled. War ja klar. Aber zu verschmerzen.

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Begues … gegenüber der Startnummernausgabe

Anschließend reiste ich gleich nach Begues, wo ab 14:00 Uhr die Startnummern ausgegeben wurden. Etwas schwierig zu finden. Aber dennoch in der Nähe der Navi-Ermittlung.

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Ortskirche … Orientierungspunkt Start und Ziel

Startumschlagausgabe mit Eventshirt

Startumschlagausgabe mit Eventshirt

Das Prozedere dauerte genau 1 Minute. Andrang, Fehlanzeige. Bei 2000 Gesamtstartern über alle 5 Distanzen, wobei alles außer Ultra auch am Samstag noch startnummern konnte, war das abzusehen. Kurzer Abstecher zum Start- Zielbereich, der an der wunderbaren Dorf (oder Stadt???) Kirche des Ortes lag beendeten die Vortagesaktivitäten.

Lageplan

Lageplan

Auf der Rückreise wurde ein bissl gewandert und Teile der Strecke inspiziert. Ja, das war recht ordentlich, was zum CP Bruguers (km 76) da ausgesucht wurde. Ich hatte es aber auch so erwartet. Das schwierigere letzte Drittel, wenn man den Aussagen glauben soll.

Die Nacht war außergewöhnlich lang, für einen sonst üblichen Ultra eher ein Novum. Es wurde nicht in den Tag, sondern in die Nacht hinein gelaufen. Start um 07:00 Uhr hieß für mich bis fünf schlafen. Ich war natürlich vorher wach. 😉 Wollte auch endlich los. Diese Warterei ist so gar nicht meins.

Mein Roadbook

Mein Roadbook

Es geht zum Start

Überpünktlich gab es das obligatorische Foto im Zimmerspiegel. Gute Tradition. Muss sein.

fertig für die Schlacht

fertig für die Schlacht

Alles und noch ein bischen mehr

Alles und noch ein bischen mehr

Und weil ich so pünktlich war und noch endlos Zeit hatte, wurde erst einmal in die falsche Richtung gefahren. Schuld war nicht der Regen allein. Denn den gab es auch Meereshöhe noch nicht. Je näher ich dem Startort kam, umso schneller wurde der Scheibenwischer gestellt. Das versprochene Wetter trat ein.

10 min vom Startgelände fand ich einen sicheren Parkplatz. Dropbagbeutel, Laufrucksack und Läufer in Regenjacke sockten los. Um 6:15 Uhr sollte die Ausrüstungskontrolle stattfinden. Doch wo? Start- Zielgebiet wurden noch aufgebaut. Tische wurden gerückt. Pavillons neben diesen platziert. Alles war typisch spanisch. Etwas wild und unkoordiniert scheinend. Doch das ist es nicht. Irgendwie passt am Ende alles. Ich fand die Abgabe für den Dropbag. In der nahen Turnhalle einer Schule. Dafür gibt’s den Lageplan vom Zielgebiet. Leider nicht im Starterbeutel L Ich wechselte dort auch gleich die Socken gegen die regendichten. Und auch die Ausrüstung wurde noch geprüft. Jede einzelne, meine sogar zweimal. Perfekt. Ich hatte alles mit und durfte teilnehmen 😉

Viel Zeit blieb nicht mehr, bis der Startschuss endlich fiel. Das Starterfeld mehr als übersichtlich. Bluetrail-feeling kam auf. Es sollen etwas mehr als 250 Läufer gewesen sein, die sich um 7 Uhr auf den Weg in den Garraf begaben.

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Dropbag und Zielbeutel abgeben … Beutel bitte selbst mitbringen !!! Möglichst schon gut beschriften, sonst gibts hier auch eine Lösung

Irgendwie war es, wie beim Straßenlauf. Vielleicht lag es daran, dass wir die ersten 1000 Meter asphaltierten. Losstürmen, als gibt es kein Morgen. Immer leicht bergan. 3% zeigte die Fenix, die im Höhenmetermodus lief. Unter 6 Minuten ging der erste km weg. Doch nicht so schnell. Ich wurde aber auch gut durchgereicht. Mir war es Banane … Man sieht sich im Ziel, sage ich da nur.

Ich hatte die Bonatti im Vollschutzmodus aktiviert. Also auch die Kapuze war im Einsatz. Es regnete so vor sich hin. Nichts dicket. Aber spürbar. Nachdem wir den Ort vermessen ging es auf einer Kieselsteinautobahn weiter. Erste Geher waren auszumachen. Sollten wir doch auf dem ersten Teilstück, VP1 wurde nach 16 Kilometern erreicht, den höchsten Berg des Parkes erklimmen. Knapp 600 m hoch.  Ich schaute auf die Garmin 10% Steigung. Das kann man gut laufen, in der Anfangsphase eines langen Ausfluges immer.

Füsse hoch und bloß nicht stürzen

Füsse hoch und bloß nicht stürzen

Endlich die ersehnte Abzweigung auf den Trail. Es war feucht, matschig, schlecht laufbar. In einem steten Auf- und Ab näherten wir uns der Höhe, die den Aufstieg beenden sollte. Ich war überrascht, dass es entgegen dem eingeprägten Höhenprofil stetig hinauf UND wieder hinunterging. 50 hm hoch 30 hm runter. Mühsam erklimmt der trailrunner die „Berge“.

Ich lag super in der Zeit. Zu gut fast. Aber wenn alles laufbar war, dann tat ich es eben. Streckenbilder … Fehlanzeige, denn IPhone im regendichten Beutel auf dem Rücken.

Der höchsten Streckenpunkt

Nach gut 10 Kilometern erreichten wir den höchsten Punkt. Extrem Steiging war angesagt, den imposanten Gipfel zu erreichen. Doch alles von kurzer Dauer und Rundumblick gab es auch nicht. Suppe hieß das, was der Himmel zu bieten hatte. Sollte das die ganze Zeit so weiter gehen? Meine Fenix zeigte 595 m üNN.

Abwarten. Erst einmal lief ich weiter. Der Regen hatte nachgelassen. Dennoch kein Grund, sich von der Regenjacke zu trennen. Es war kalt, hier oben. Es folgten längere Downhills. Eigentlich gut laufbar. Nicht jedoch bei Regen. Unsere Laufschuhe glichen Kuchenblechen. Wenn hatte nur den ganzen klebrigen Lehm hier verteilt. Schwer wie Blei hingen die Schuhe an den Beinen. Das wenige Gras reichte nicht, die Schuhe zu erleichtern. Ätzend. Ich war ein wenig angenervt. Immer und immer wieder versuchte ich ein Grasbüschel zu überreden sich meines Klumpschuhes anzunehmen. Fehlanzeige.

Garraf Nationalpark

Garraf Nationalpark

Besonders lustig wurde es, als wir wieder trailen sollten. Immer wieder mussten wir eine Verbindungsstraße zum nächsten Trail benutzen. Lehmige Verbindungsstraßen. Recht flott erreichte ich VP1. Kilometer 16 war nach 2:10 Stunden gerockt. Geht doch. Die Beine tonnenschwer. Der Regen hatte aufgehört. Am VP trank ich kaum. Auch aufzufüllen gab es noch nichts. Weiter ging es, nur 6 km sollten es werden. Kaum Höhenmeter, aber Trail. Ich packte meine Jacke in den Rucksack. Oder war das erst später? Keine Ahnung.

Wegmarkierungen für die Trailabschnitte - keine Rettung!

Wegmarkierungen für die Trailabschnitte – keine Rettung!

Recht unspektakulär erreichten wir den VP2 bei km 22. Irgendwie war viel Gesteige dabei. Der Wegezustand noch machbar. Auch die Lehmfüße verwandelten sich vom Teller zum schuhumfassenden Klumpen 😉 Nicht weiter wild. (Nervte tierisch)

Am Verpflegungspunkt gab es nur ein paar Flüssigkeiten. Leider keinen Tee und ich hatte auch wieder vergessen, welchen einzupacken. Hmmm. Wir liefen nach dem VP auf einer Asphaltstraße entlang. Die Schuhe wurden gesäubert. Alles gut zu rennen, was den Anstieg betraf. Bis zum Abzweiger auf den Trail

Der kleine Steingarten.

Da war er wieder. Zwischen km 23 und 25 muss es gewesen sein. Wildes Kieselsteiging, immer leicht ansteigend, teils verwachsen, Da schlägt kein Trailherz höher, das verfinstert es sich. Zu gern hätte ich jetzt meine Stöcke gehabt. Es war nicht immer leicht, die Balance zu wahren. Tief gebeugt, die Körperschwerpunkt weit unten, kämpfte ich mich durch den Barranco. Die Kiesel recht klein. Dafür die Steinstufen umso leckerer. Mann kannte es und war nicht sonderlich überrascht. Schneller, als erwartet …

… war es irgendwann vorbei und es kamen neue Herausforderungen. Ich fing, zeitiger als üblich, auch schon mit der Rechnerei von Ankunftszeiten am nächsten VP an. Macht man doch nicht. 😉 Tausend Sachen gingen mir durch den Kopf. Erstmals auch die Idee, im Zweifelsfall nur 70 Kilometer zu laufen. Auch eine der angebotenen Strecken. Man spart sich halt die letzte Schleife. Passiert auch den Zielort. Alles möglich. Doch vorerst hieß das nächste Ziel km 34. Mein Highlight, auf das ich mich wirklich freute. Zunächst aber kletterten wir auf 480 Meter hinauf. Klingt recht einfach, die Wege dorthin waren es keines Wegs. Immer wieder geröllte es gar mächtig. Kannte ich irgendwie aus der Tramuntana. Ich verglich … Endlich war der höchste Punkt erreicht. Jedoch kein Gipfel. Diese gab es nur wenige. Kurz unterhalb ging es wieder hinab. Acht Kilometer downhill. Doch so richtig schnell kann man nicht laufen, es sei denn, Mann ist Spanier und auf Geröll geboren.

Auch solche Wege waren zu meistern ...

Auch solche Wege waren zu meistern …

Ich ließ Vorsicht walten. Immer wieder wurde beim Verlassen der befestigten Verbindungswege, meist Kieselautobahn, auf die fehlende Abbruchmöglichkeit hingewiesen. Das beruhigte. Wer will hier schon abbrechen?

km 74 - Tags zuvor besichtigt

km 74 – Tags zuvor besichtigt

Ins Blick kam ein riesiger Tagebau, der uns noch 20 km begleiten sollte. Nicht wirklich schön, hatte er doch riesige Ausmaße und war ein wahrer Landschaftskiller. Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Es wurde wärmer, je kleiner die Zahl der aktuellen Höhe wurde. Schließlich kam Garraf in Sicht. Der kleine Küstenort, der dem Nationalpark seinen Namen lieh. Sonne!!! Herrlich. Endlich konnte ich die Sonnenbrille auf die Nase klemmen. Das wertet so einen Lauf gleich ungemein auf. In der Sonne zu rennen ist ein Traum. Transpiritranspirah lief zur Hochform auf. (Ich schwitzte wie S..).

Wir unterquerten die Autobahn, unterquerten auch die alte und noch vorhandene Küstenstraße und erreichten die ersten Häuser des Küstenortes. Auf der Straße (Ohne Absperrung, übrigens beim ganzen Lauf nicht eine Absperrung 🙁 ) zum Strand hinab. Noch ein Tunnel und jeder wurde mit Extraapplaus begrüßt.

Vierunddreißig Kilometer waren im Sack. Das erste Drittel nach knapp 4:45 Stunden. Das war schnell. Zu schnell? Wieder die Hochrechnung. Ich war im Soll. 15 Stunden war das Ziel, das A-Ziel sozusagen. Doch nun fing das Rennen erst an, wie sich herausstellen sollte. Am VP gab es Bänke, die allerdings immer hier stehen. Die Gelegenheit, mal ein paar Augenblicke zu lockern. Alles perfekt. Es gab auch ein bissl Wasser aufzufüllen. Das Speisenangebot nicht mein Fall. Ich glaube, drei Apfelstücken und ein Stück Banane gegessen zu haben. Weiter ging es. 485 m im Aufstieg stand auf der kleinen Tafel.

ein Traum

ein Traum

Das war nicht so viel. Aber wie würden die sich gestalten? Mann kannte nichts von der Strecke. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Beste Voraussetzungen also 😉

Strandfeeling beim Ultratrail – herrlich.

Zunächst rannten wir am Strand entlang. Ein kleiner Abstecher meinerseits zum Wasser musste sein. Wenigstens mal die Hände ins Salzwasser halten. Perfekt. Weiter im Sand. Die Streckenmarkierung ungewöhnlich aber im Nachhinein betrachtet … perfekter geht es kaum. Kein Flatterband, keine Schilder. Einfach fluoreszierende Punkte auf dem Boden und bei Abzweigern Pfeile. Ich hatte meine Aufmerksamkeit auf die orangenen Punkte eingestellt. Bis auf einen gab es auch keinen Verlaufer!!! Und der hätte auch nicht sein müssen. Wählte hier einfach den breiten Kieselweg, anstatt den markierten schmalen Trail hinterm Gebüsch 😉

Am Bahnhof rechts

Am Bahnhof rechts

Wir folgten den Pünktchen durch den Ort. Ein verstohlener Blick ging zu einem Straßencafé hinüber? Pils-chen? Jetzt noch nicht. Als die Asphaltstraße endete waren wir nur einen Steinwurf von dem Weg entfernt, der uns zum Strand hinunter brachte. Wieder war der Steinbruch in Sicht. Bei seiner Dimension auch nicht verwunderlich. Betonstraße hinauf und dann endlich wieder Trail. Schmaler, mit kleinen Steinen gespickter Pfad. Herrlich. Bis auf 310 Meter sollten wir uns erst einmal hinauf arbeiten. Orangepoint hier teilweise etwas blass. Trailrunner schlurfen gelegentlich und das mag die orangene Wegmarkierung gar nicht. Meine Armlinge hatte ich nun runtergestreift. Immer bereit für den erneuten Kälteeinbruch. (Er kam nicht mehr, während meine aktiven Zeit auf dem Trail).

Wieder galt es, eine 13 km lange Etappe zu absolvieren. Die km Angaben stimmten übrigens perfekt mit der meiner Fenix überein und auch die angeschlagenen Höhenangaben waren verlässliche Parameter. Dickes Lob!!! Das schafft Sicherheit.

Mein nächstes Ziel hieß Marathon. Hatte ich anfangs mit 6 Stunden geliebäugelt, musste ich auf Grund des technischen Anspruchs auf 6:30 Stunden korrigieren. Am Ende kam ich bei 6:10 Stunden durch. Dieses Tempo war nicht zu halten. Soviel stand fest. Der Ermüdungsfaktor war zu berücksichtigen und die Nacht. Aber eigentlich wollte ich nicht viel Nacht. Wenn möglich bei Helligkeit das schwerere letzte Drittel. Aber der Tag war noch lang. Wir erreichten auf schmalem Trail, ein Gebäude passieren, von denen es hier einige gab, eine Fahrstraße. Klar, keine Absperrung 😉 Dieser sollten wir endlos (ca. 3 km) im Downhill folgend. Das war wirklich sehr demotivierend. Hier fiel man von einem Extrem ins andere. Erst gerölliger Single Trail und dann Autobahn. Es nervte. Nach endlosen Kilometern endlos der Abzweiger. Spitzkehre weggelassen und zack, war ich auf dem falschen Weg, wie beschrieben. Nach 100 m merkte ich den Fehler. Die Tröte die mich falsch laufen sah war sicher ein newbie. Das ruft man, Hasi!

Ein ganz schlimmes Bild ...

Ein ganz schlimmes Bild …

Also zurück, klar downhill, wie immer und ab auf den Pfad. Dieser währte nicht lange und wurde von einer Verbindungsstraße abgelöst, die uns ins Tal brachte. An einem Zementwerk oder so war ging es auf Asphalt weiter. 12% Steigung wurden nun nicht mehr gerannt. Die Sonne hatte hier leichtes Spiel. Die Trinkvorräte gingen zur Neige. Endlich erreichten wir den Aufstieg zum VP4. Kilometer 47 wurde auf einem herrlichen Hochplateau erreicht. In einem tempelähnlichen Überbau wurde sogar massiert.

Wir waren ja auf der gleichen Strecke unterwegs, wie die 69km-Läufer, die des LTBCN. Somit kam es immer wieder zu Überholvorgängen und Drängeleien auf schmalem Pfad. Das war teilweise sehr unschön. Geduld, Freunde, Geduld. Der Sieg war längst vergehe. Besonders Bunti fiel mir ins Auge, der an unmöglichen Stellen dringend vorbei musste, und dann rumdehnte oder sich eben, wie hier, massieren lies. Zu jung für diese Aufgabe … 😉

Die Stimmung kippte

Ich setzte mich kurz, knapp sieben Stunden hatte ich bis hier hoch gebraucht. Es wurde anstrengender. Der Kilometerschnitt sank ins bodenlose. Ich rechnete, mal wieder. Böse Sache. Zwölf Kilometer wurden bis zum nächsten VP angezeigt. Dann nur noch 11 bis zum Dropbag bei km 70. Das war überschaubar. Das war ein Ziel. Wir durchquerten die Eremita Trinidat. Hier gab es keine orangenen Punkte. Fand mich aber trotzdem irgendwie. Weiter auf Kieselautobahn bis zum finalen Geröllstieg auf den ersten von drei Gipflein. Hier oben wehte ein angenehm kühler Wind, Die Sonne schien. Es hätte besser nicht sein können.

immer schön hoch (hier km 35-36) tags darauf geknippst)

immer schön hoch (hier km 35-36) tags darauf geknippst)

Dennoch wurde es irgendwie unangenehm. Die Aussichten nicht so prächtig. Immer wieder das Schema Geröllweg. Und über teils verwachsene, von Steinen übersäte Wege hinab. So richtige Lauffreude kam dabei nicht auf. Ich sockte, trabte, rannte tapfer Kilometer für Kilometer. Beim 50. Kilometer freute ich mich, dass der Zähler nun rückwärst läuft.  Doch die Zeit verging gar nicht. Ich sah eine 16 min/km Zeit. Was war das? Klettern, rutschen. Ich sehnte meine geliebten Trailstöcke herbei. „Gib mir Deine Trailrunner, du trägst sie doch eh nur auf den Berg.“ Wilde Gedanken beschäftigten mich. Kurz vorm VP km 59 konnte man diesen bereits ausmachen. Ein 2 km langer Single Trail führte auf diesen zu. Aber man kam bei dem ganze Gehopse und Gespringe nicht näher. Der Planet brannte. Wer hat nur die ganzen Kurven in den Trail gezaubert. Das geht auf die Fußgelenke. Aufpassen, alter Mann und nicht stürzen.

Tolle Trails gab es schon, keine Frage ...

Tolle Trails gab es schon, keine Frage …

Auch der weiteste Weg ist einmal geschafft. Kilometer 59 nach 9:10 Stunden im Sack. Ich musste mich dringend hinsetzen. Beine entlasten. Doch Bänke oder ähnliches gab es auch hier nicht. Sonnenschutz auf der Bordsteinkante auch nicht. Einige Läufer hatten sich auf die Bordsteine gelegt. Ein paar Augenblicke mal nicht rennen, hüpfen, steigen. Eine Wohltat. Knapp 3 Minuten später, Wasser war aufgefüllt und 2 Orangen ausgedrückt, war ich wieder unterwegs. Ich hatte nur Wasser nachgefüllt. Auch meine Elektrolyttablette schmeckte nicht mehr. Mehrere Sorten mitnehmen, weiß ich jetzt. Und Tee gab es auch nicht. Ich jammerte ein bissl über meine eigene Dummheit. Währenddessen sockte ich den letzten großen Anstieg bis zum Dropbag hinauf. Und es wurde richtig zäh. Pausen unterwegs waren hier an der Tagesordnung. Da kaum jemand überholte, war nur ich so schwach. Dieser Aufstieg auf 480 m hatte es in sich.

Ein deutschsprechender Läufer überholte, kam aber auch nicht wesentlich schneller hinauf. Wir freuten uns alle, den Berg geschafft zu haben. Ich schleuderte dem Gipfel ein paar Nettigkeiten entgegen und kommunizierte mit DEM Finger. Dieser alte Sack wollte uns in die Knie zwingen. Nun hieß es downhill zum km 65, wo das nächste Wasserfass stehen sollte. Wieder kamen wir nur langsam voran. Es war ein Graus. Langsam verlor ich die Lust an der Sache. Die Rechnerei ging wieder los. Ich wollte auf keinen Fall in der Nacht auf diesem Geröll rumhopsen.

Cutoff war überhaupt kein Thema. Endlich erreichten wir den letzten Wasserstand vom Dropbag. Ein spartanischer Stand. Wieder nahm ich nur Wasser. Ohhh. Ein Stuhl. Meiner. Ich zog mein roadbook aus der Tasche. Nix dicket mehr bis km 70. Ich rechnete wieder.

Mein letzter VP?

für mich heute nicht diesen Weg

für mich heute nicht diesen Weg

Erst mal wieder laufen. Mühsam schälte ich mich aus dem Stuhl. Weiter gings. Die Strecke ganz gut beschaffen. Keine technische Schwierigkeit. Kieselautobahn. Teilweise Single Trail durch den Wald. Das war angenehmes Laufen. Ich rechnete erneut. 11:15 Stunden bis dropbag … 30 min Pause … 11:45 Std. … dann noch 30 Kilometer. Gegen 8 Uhr wird es dunkel. Also eine Stunde im Hellen, wenn es gut läuft und dann 4 – 6 Stunden in der Nacht. Dieses Geröllhopsing? Wollte ich das wirklich?

Ich lief weiter. Ich musste eine Entscheidung treffen. Nicht erst am Dropbag. Nein. Das war es mir nicht wert. Ich wäre 5-7 Stunden vor Cutoff im Ziel. Das ist doch was? Nein. Kein Nachtlauf. Das war so nicht gedacht. 18 Stunden waren mir zu viel. Ich holte das IPhone aus der Tasche. Ich whatsappte meinen Abbruch in 3 Kilometern. Ich musste es entscheiden, jetzt. Es war die LTBCN Distanz. Es war ein Zieleinlauf, wenn auch ein 100 km DNF. Aber es war genug für heute. Ich zweifelte keine Sekunde.

VP km 70 ...

VP km 70 …

Ich lief die 3 Kilometer sauber zu Ende. Hatte keine Schmerzen (was man so keine Schmerzen nennt nach 11 Stunden Ultratrail 😉 ) Da war der Abzweiger. Ultra nach rechts und alle anderen Distanzen nach links zum Ziel. Ich lief zum Ziel.

An der einzigen Straßensperrung fiel mir mein Dropbag ein, der ja noch am VP 70k lagerte. Die nette Volontärin holte ihn mir und ich lief den letzten km mit 2 Rucksäcken.

Mit Applaus wurde ich bis unter den Zielbogen getragen. Immer wieder winkte ich ab, hatte meine Startnummer nach hinten gedreht. Nur ins Ziel, ohne Ehre. Einfach durchlaufen. Keine feuchten Augen. Keine Emotion. Einfach nur fertig gemacht. Medaille umhängen. Nein Danke, hab ich heute nicht verdient. (Woher sollten die auch wissen, dass ich abgebrochen habe. Kam als „7.“ UTBCN-Starter ins Ziel)

"Als Erinnerung", sagte der "Chefe de medal"

„Als Erinnerung“, sagte der „Chefe de medal“

Das war mein erster DNF in Worten. Mehr und weniger gibt’s nicht zu sagen. Leider war ich der Loser heute. Muss ich mit leben. Die Momententscheidung war richtig. Mit dem Rest muss man klarkommen. Denn heute sieht man das ganz anders. Völlig logisch, denn die Umstände, die zu der Entscheidung führten, sind verblasst. Dennoch stehe ich dazu und würde es NICHT wieder so machen. Beim nächsten Mal würde ich gar nicht erst starten …

Immer wieder eine spannende Situation nach einem Ultratrail … Schuhe und Socken aus. 😉

Meine Laufaufzeichnungen von offizieller Stelle

Meine Laufaufzeichnungen von offizieller Stelle

Da haut es dich aus den Schlappen. Noch 30 km und die kleinen roten Unterlagen wären weg gewesen. Schwein gehabt ?

Anstatt Urkunde ... und die Scheibenbremsensicherung des 29-er hatte ich auch mit, wie der Abdruck zeigt ;-)

Anstatt Urkunde … und die Scheibenbremsensicherung des 29-er hatte ich auch mit, wie der Abdruck zeigt 😉

 

Alte Sack-Wertung und Gesamtergebnis hier: utbcn_2016_classement_UTBCN

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Blick auf VP km76 (Bruguers) tags zuvor

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Nachfolgende Fotos unterliegen dem Copyright des Veranstalters

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VP Kilometer 47 - massache

VP Kilometer 47 – massache

Es geht wieder los. Der Monat der 100-er wird am Samstag gestartet

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Wieder im Flieger. Bereits wieder sieben Wochen sind nach dem letzten Ultratrail, meinem bisher länsten, wenn auch nicht schwersten, vergangen. In 33 Stunden werde ich im kleinen Bergstädtchen Begues an der Stadtlinie zum 100 km langen Ultratrail Barcelona stehen. Vor einem halben Jahr, ich plante die Trailsaison 2016/2017 wusste ich noch nichts über diesen Lauf. Eher zufällig stieß ich darauf. Zufällig im Sinne von … ich möchte vor der TortourdeRuhr noch einen langen Trail laufen. Zum Hexenstieg gemeldet, musste ich dann leider erkennen, dass das rennen im Harz, so schön er auch sein mag, nicht meiner Vorstellung eines Laufevents entspricht. Die Teilnehmer abgezählt, privat eingeladen. Eher ein Lauftreff, denn ein Laufevent. Ohne diesen netten, kleinen und sicher liebevoll organisierten Lauf abwerten zu wollen.

Zum Glück hat jeder seine eigenen Vorstellungen vom Laufen. Es macht immer wieder Spaß, mit den Spaniern auf dem Trail unterwegs zu sein. Wenn sie auch gelegentlich etwas viel, laut und ohne Punkt und Komma reden. Ab 3000 Metern über Meereshöhe werden sie ruhig (Bluetrail 2014). So hoch hinaus wird es im Garraf-Nationalpark nicht gehen. Dennoch werde ich diesen, zum 6. Mal ausgetragen, Lauf in keiner Weise unterschätzen. Von Meeresniveau, erreicht am Strand nach 34 Kilometern geht es bis maximal 600 m hinauf. Es wird steinig, geröllig und pfadig werden. All das, was das Trailrunning ausmacht. Es wird lang werden, nicht zu lang, hoffe ich. Denn lediglich die Distanz ist ein Fixpunkt. Laufzeit bei jedem Trail eine andere und ohne  Streckenkenntnis nicht berechenbar. Die technische Schwierig kein auf den letzten 30 Kilometern in aller Munde. Ich werde es herausfinden dürfen.

Die Horizontale rund um Jena bin ich in knapp 12 Stunden gelaufen. 2000 hm (+xxx) gilt es auch hier hinauf zu steigen. Der CCC in Chamonix hat mich an die 20 Stunden beschäftigt. Mit über 6000 Höhenmetern im Aufstieg schon ein anderes Kaliber. Auch im Garraf stehen 100 km auf dem Plan. Ausgewiesene 4500 Höhenmeter erwiesen sich nach bearbeiten des veröffentlichen Tracks als „spanische Höhenmeter“ 😉 Mal schauen, was die barometrische Höhenmessung der Fenix herausfindet.

Das Training nach dem Trans Gran Canaria recht spät begonnen. Das „open window“ hatte mich wenige Tage nach meiner Rückkehr ans Bett gefesselt. Extreme Belastung, Temperaturwechsel und der lange Flug sind immer etwas kompliziertes für den Körper. So ging es erst 12 Tage after TGC erstmals wieder laufen. Autsch. Es war lange hölzern. Doch ich musste ja herausfinden, wie man regeneriert und sich trotzdem auf seinen ersten 100 Meiler vorbereitet, der bereits in 16 Tagen ansteht. Trainings-100-er 14 Tage zuvor. Probieren geht über studieren. Mal schauen, was ich falsch gemacht habe.

Nach der Zwangspause setzten dann gleich wieder die Umfänge ein. Maximal 15% Steigerung zur Vorwoche 😉 Soviel Zeit habe ich nicht und so ging dann in Riesenschritten zu den langen Läufen. Fettverbrenungstraining heißt das Zauberwort. Lange, langsam. Ohne Verpflegung. So mache ich das und kann so auch einen Doppeldecker oder drei lange Läufe hintereinander laufen. Der Schwerpunkt lag in diesem Trainingsblock auf laufbaren Höhenmetern. Kein Klettern und Steigen, wie noch im Vorjahr im Elbi praktiziert. Immer rennen, bis der Oberschenkel weint. Mal schauen, was es gebracht hat.

Die Plagegeister linkes Knie, rechte Achillessehne, rechte Hüfte und linke Fußsohle haben sich fit gelaufen. Mittlerweile kennt Mann ja seinen Körper recht gut. Viele Laufkilometer haben wir zusammen gerungen. Das „ich will“ und der „ich kann“ 😉 Alles super gut in Form, für meine Verhältnisse, als alter Sack. Sicher wünscht man sich manchmal, 20 Jahre jünger zu sein. Doch damals hatte ich meine Lebensrauchleistung noch nicht erbracht und wusste auch gar nicht, wie laufen geht. Muss man ja erst lernen 😉 Sicher würde ich dann heute nicht mehr laufen (können). Der Ehrgeiz hätte mich kaputt gemacht. Marathon unter 3 Stunden. Halb unter 1:30h, 10-er unter 40 min. Diese magischen Grenzen will doch jeder Straßenläufen mindestens erreichen. Für mich keine Messwerte mehr. Ich habe den Wechsel vollzogen, endgültig. Meine Laufwelt ist eine andere. Und ich bin froh darüber.

Bisher liege ich gut im Saisonplan, der am 17. April nächsten Jahres endet. Höhenmeter habe ich im Vergleich zum Vorjahr leicht gesteigert. Distanz zählt eh nur in zweiter Linie und liegt im guten Vorjahresbereich. Die Highlight oder das ganze Dicke kommt in der zweiten Hälfte. Da sollte noch genug Power vorhanden sein, nicht am großen weißen Klotz saft- und kraftlos auf der Strecke zu bleiben. Und bei der ganz dicken Berta … .

Ich freue mich wirklich sehr auf die tolle Strecke am Rande Barcelonas. „Garraf Nationalpark“, ich bin unterwegs zu dir. Aus der Schweiz, der mecklenburgischen komme ich angeflogen, durch dich hindurch zu fliegen. Man liest sich … danach.

Trans Gran Canaria 2016 – wie soll das gehen? (Jetzt darf ich es ja sagen)

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Dann war er endlich da. Der Tag der Tage. Das große Rennen. Mein längstes von der Distanz, mein bergigstes vom (angekündigten) Höhenprofil her. An die 17000 Höhenmeter sollten auf und ab gelaufen, geklettert, gekrochen werden. Immer öfter stellt man Vergleiche an. Vergleiche mit Rennen, die ich bereits erfolgreich gefinished habe. Es war der TDS mit 1300 Höhenmetern im Anstieg mehr. Den hatte ich in knapp unter 30 Stunden gefinished. Wie sollte das funktionieren. Ich hatte Keine Ahnung.

Natürlich darfst du dir das nicht eingestehen. Der Kopf muss frei sein. Ich kann es. Yes. Ich hatte trainiert. Hatte zwei längere Inseltestläufe in den Beinen. Doch es gab Unbekannte. Aber die gibt es ja immer. Woran ich nichts ändern konnte, waren ein paar (ewige) Zipperlein.

Linke Knieinnenseite, rechte Achillessehne, rechter Hüftbeuger, leichte Reizung Plantar Sehne. Vor der Abreise leichte Verschnupfung und somit der Puls etwas hoch bei des Testläufen. Beim letzten Testlauf dann noch den rechten Ellenbogen geprellt. Wie man sieht …

Beste Voraussetzungen, um die dickste Berta zu finishen. 😉 Aber gejammert wird im Ziel und das ist gut so.

Atmosphäre aufsaugen

Am Donnerstag, ein letzter Berglauf stand auf dem Plan, ging es dann am frühen Nachmittag nach Meloneras. Ich hatte keine Ahnung, wo das genau war. War allerdings vor Jahren mal dort. Klar, alles wie immer 😉 Welch Schelm. Ich habe es trotzdem gefunden, all zu klein ist die Hütte ja nicht und wider Erwarten hatte man sogar schon spaliert und der Zielbogen stand auch schon da. Ich war begeistert über so viel Vorarbeit.

Die Trail-Zone, eine kleine Messe, eine viel zu kleine Messe, war schnell abgearbeitet. Mehrere Runden füllten meinen Beutel mit Unwichtigkeiten, die Mann unbedingt hier und heute kaufen musste. Klar, wie auf jeder Messe. Das 5. Paar Reservearmlinge muss sein. Und die 7. Und 8. Flask ebenfalls. 😉 Ihr kennt das. Die Hersteller könnten endlich mal Produkte anbieten, die sich nach 2-3 Jahren selbst auflösen. Der geschaffene Platz im Sportzimmer unvorstellbar.

Startnummernausgabe ... Schnell, professionell ... mit 90 dB Rockn Roll auf den Ohren

Startnummernausgabe … Schnell, professionell … mit 90 dB Rockn Roll auf den Ohren

Nützlichkeiten, die man eigentlich doch nicht braucht ;-)

Nützlichkeiten, die man eigentlich doch nicht braucht 😉

Der Starterbeutel recht schnell empfangen. Was hatten die wieder alles rein gepackt. Unfassbar, was die Sponsoren hier locker machen. Endlich mal ein Funktionslaufshirt mit Kompression, ein Buff und einen Visor. Endlich hatte Mann was anzuziehen. Alles sehr sinnvolle Dinge, ich meine es wirklich so. Meine Startnummer die 837. Eine Glückszahl. Ganz klar. Die erste Ultratrail-Startnummer war die 867. Sowas merkt man sich und assoziiert Glück, liegt man im gleichen Nummernkreis. Mental kann ich, oder?

Irgendetwas haben wir noch mit den Dropbag-Beuteln besprochen. Die Lady von der Startnummernausgabe und der BET, also ich. Aber AC/DC aus den Hallenlausprechern war einfach lauter. Ich hatte nur so viel verstanden, dass ich keinen Beutel im Ziel abgeben wollte und wenn, dann sind sie morgen bis ein Uhr da, Warum sind die bis nachts um eins da? Komisch. Egal.

Noch mal über die Messe …

Immer wieder ein Anlaufpunkt für schwierige Fragen .... Infopoint des Veranstalters am Eingang (auch in deutscher Sprache auskunftsfähig)

Immer wieder ein Anlaufpunkt für schwierige Fragen …. Infopoint des Veranstalters am Eingang (auch in deutscher Sprache auskunftsfähig)

Der Abend im Hotel in Taurito verlief dann wie immer. Nix auffälliges. Alkoholstop seit Tagen. Mach ich meistens so. Essen tue ich, wie immer. Dennoch hatte ich es am nächsten Morgen nach dem Frühstück recht eilig, zum Porzellan zu kommen. 😉 Was war denn nun schon wieder. Es lief aber auch wie am Schnürchen. 😉 Nicht verrückt machen. Alle sind ein bissl Aufgeregt. Zu Füssen und Beinen nun noch der Magen. Jetzt reißt euch doch mal zusammen!!! Merke! Wieder keine „Kohlen“ im Überlebenstäschchen.

Noch vor dem Frühstück hieß es auschecken. Also Koffer packen. Mann hat einfach immer zu viel mit. Rein intuitiv packte ich schon mal mehrere Häufchen. Ich sagte mir, wie schon der halbe Hausstand im Hotelzimmer liegt, kannst du ihn auch gleich mundgerecht portionieren.

Klein aber sauber

Klein aber sauber

Mein gebuchtes Zimmer in der Nähe des Ziels war wirklich nur eine Notunterkunft. Sachen abstellen, bin ja eh nicht da und am Tag danach bewusstlos aufs Lager sinken. Dafür sollte es reichen. Mit Gemeinschaftsdusche und –bad würde ich klar kommen. Back to the roots, sozusagen. Ja, manches Mal kommt schon der (an der falschen Stelle) Sparfuchs durch. 😉

Somit war dann auch gleich der Dropbag-Beutel tutti completto. Einer mit den Startersachen und einer mit dem, was an so braucht den Tag über. Einen Koffer und einen Cabin.bag gab es ja auch noch. Buttler bitte! Ich bekam es trotzdem die 700 Schritte, 50 hm, 50 Treppenstufen und 4 Fahrstühle zum Auto.

Schnell war die Anreise zum Liegeplatz erreicht. Ja, das Hotel entsprach dem, was ich auf dem Bild gesehen hatte. Nur einen Parkplatz fand ich (zum Glück) nicht und so fuhr ich noch einmal zur ExpoMeloneras. Ich hatte noch einmal die Entfernungen zur Unterkunft zu checken und die Parkmöglichkeiten. Bei der Gelegenheit kann man gleich noch mal über die Messe schlendern. Fast beiläufig, fragte ich nach dem Abgabepunkt für die Dropbags. „You must stay it here. But only 30 minutes“ Das beruhigte ungemein. In 20 Minuten war ich am Auto und  wieder zurück. Schnell noch alle verlierbaren Teile beschriften und ab dafür. Irgendwas ist immer. Oder wie sagt man. Nichts passiert aus Zufall. Oder warum gab es am Hotel keinen Parkplatz, der mich darauf hin zur Expo fahren ließ? Aber sicher wäre es auch irgendwie anders gegangen. Na so ohne dropbag 😉

Alles muss rein ...

Alles muss rein …

... und alles passt rein.

… und alles passt rein.

Es geht endlich los mit dieser Busrundreise

Pünktlich 20 Minuten vor Abfahrt der Transferbusse war ich schon wieder an der Expo. Das Auto hatte ich am avisierten Parkplatz abgestellt. Keine Parknot. Der absolute Geheimtip, nur 10 Gehminuten vom Zielpunkt entfernt. Eine kleine Gruppe deutscher Starter wurde gesichtet. Mann kennt ja kaum jemanden. Rolf, Tom und Klaus kannte ich bisher online. Nach Austausch einiger Unwichtigkeiten, es wird geflaxt, ganz klar. Jeder versucht, seine Anspannung, so gut als möglich zu verbergen. Diese tagesfüllenden Ausflüge lassen keinen kalt. Erste Ausreden werden erdacht. Zielzeiten werden genannt. Es wird gefrotzelt. Alles war, wie immer. Verrückte, schöne Welt.

Die etwas andere Bushaltestelle ... Vorstratstimmung ... Expo Meloneras bei Nacht

Die etwas andere Bushaltestelle … Vorstratstimmung … Expo Meloneras bei Nacht

Viiiel zu zeitig ging es in die bereitgestellten Busse. Nicht, ohne zuvor noch einmal die Startnummer gescannt wurde. Hier war der Abfahrtsort des Busses vermerkt. Sehr professionell gemacht. Die Startnummer war ein Meisterwerk. Alles drauf, alles dran. Ich Bus durfte ich dann neben den Ultralegenden Jan Prochaska und Michal Vanicek Platz nehmen. Wenn das kein gutes Omen ist 😉 Zuvor noch ein paar nette Worte mit Rolf Kaufmann. Der die Strecke in all seinen Ausprägungen kannte. Seine wohl 6. Teilnahme. Ein alter Hasi auf den Geröllwegen. Natürlich konnte ich die Aussagen nicht bewerten, sollten sich aber alle bestätigen. Lediglich der Downhill nach Tunte hätte ich schlimmer erwartet. Den fand ich sehr cool. Vielleicht auch des Ausblicks wegen oder weil ich diese Art Wege mag und deshalb gut kann?

Nach kurzer Reise waren wir auch schon in Agaete angekommen. Die Hafenstadt mit dem Finger Gottes, den es jetzt nicht mehr gibt. Irgendwann in 2007 oder 2008 hat ihn sich ein Sturm geholt. Nachdem wir noch einmal ein Foto machen durften. Wie erwartet, war es kalt im Küstenstädtchen. Die kleine Minimus war genau die richtige für diese knapp 2 Stunden vor dem Start. Die Kneipiers des Ortes machten an diesem Abend den Umsatz ihres Lebens. Ich hingegen schlenderte durch den Ort. Zeit totschlagen, war angesagt. Getränke hatte ich mir mitgebracht. Auch noch ein leckeres Baguette und einen Kaffee hatte ich in San Fernando, meinem Liegeplatz für die Stunden nach dem Zieleinlauf,  in mich hinein gestopft. Mann hätte etwas eher dran denken können.

90 Minuten vorm Start

90 Minuten vorm Start

Dahinter nur noch Meer

Dahinter nur noch Meer

Alles war fertig und komplett. Dennoch warteten wir pünktlich bis um 23 Uhr. Bis der Startschuss fallen sollte. Wenige Minuten vorher war Unruhe im Teilnehmerfeld. Alle liefen irgendwo hin. Keiner wusste, wohin. Sicher erging es nur den newbies so. Hier empfand ich es als chaotisch. Viel zu weit hinten hatte ich mich eingereiht. Gefühltes Letztes Viertel. Nach Infos vom Rolf sollte es eh erst mal 1300 hm nach oben gehen. Hinaus zum ersten Checkpunkt, der nach 3 Stunden erreicht werden sollte

Es gehet endlich lohos

Meine Fenix hatte überhaupt keine Not, das GPS Signal zu finden. In der unmittelbaren Startaufstellung ging es sehr ruhig zu. Keine Gedränge und geellenboge. Wenn man hinten steht, bei den Radiergummies 😉 Sorry. Das ist nicht bös gemeint. Solch ein Rennen ist anders, hier geht’s um überleben. Zumindest bei der Majorität.

Zu weit hinten eingeordnet ...

Zu weit hinten eingeordnet …

... doch der Blick ging ja eh nach vorn.

… doch der Blick ging ja eh nach vorn.

Punkt 2300 ging es irgendwie los. Es wurde heruntergezählt. „Ariba“. Schnell kamen wir ins Traben. Ein paar hundert Meter auf der Zufahrtsstraße dann ging es auch schon hinauf. Ein breiter Kieselweg reihte das Feld vernünftig auf. Ein paar staustellen,  ganz klar. Es blies ein kalter Wind. Immer noch hatte ich meine winddichte Jacke an und das sollte auch noch eine ganze Weile so bleiben. Wir waren im Rennen. Es ging los. Das Warten hatte ein Ende. Ich kam ganz gut in Tritt. In Kombination von traben, speedhiking und rumstanding 😉 ging es stehts bergan. Unter uns die Lichter der verlassenen Stadt. Über uns die schier endlose Zahl von kleinen, blinkenden Lämpchen. Manchmal auch ein paar weiße. Eine Serpentine stand an.

Hinter mir nur recht wenige Lämpchen. Man war ich weit hinten. Warum mich das so beunruhigte? Die Cutoff Zeiten waren recht eng gestrickt, so zumindest hatte ich das Gefühl. Also musst du gut in Tritt kommen und nicht im Verkehr stecken bleiben. Ehe man es sich versieht hat man eine halbe Stunde Zeit verloren und merkt es gar nicht.

Immer hoch, hoch, hoch ... erst einmal 1300 hm lang

Immer hoch, hoch, hoch … erst einmal 1300 hm lang

Es ging jedoch gut voran. Die Garmin speicherte tapfer jeden Kilometer. Ich war gut unterwegs. 3 Stunden für 10 Kilometer können viel oder auch wenig sein. Als Straßenläufer hat man davon immer gar keine Vorstellung. Mann kann auf dem Trail nur rennen und hüpfen und kommt mit einem 8 min/km Tempo raus. Du kannst, also ich, kannst speedhiken und kommst auch mit einem 8 min/km raus. Und du kann eine 65%-ige Steigung im Geröll haben und kommts mit einem 23 min/km Tempo raus. Das macht es so unkalkulierbar und gerade zu Beginn solch einer Aufgabe etwas schwierig.

Ich war aber gut unterwegs. Irgendwann überholte mich der Rolf. Der alte Geröllhase. 😉 Sein Schritt war länger. Er machte mehr Meter. Ok, seine Zielzeit des letzten Males war nicht mein Masterplan. Hier ging es zunächst ins Rennen hinein zu finden. Ich kam mit dem Geröll und dem Stein ganz gut zurecht. Alles war meist angewachsen. Die inov8 Schlappen machten einen guten Job. TDS geprüft 😉

Lange hatte ich über die Schuhwahl nachgedacht. Da meine Füße mein neuralgischer Punkt sind, muss ich da besonders Acht geben. Meist sind die Füße nach diesen langen Dingern Start aufgequollen, Blutergüsse an den Sprunggelenken und die Fußsohlen schmerzen. Das kann man bis zu einem bestimmten Punkt alles ausblenden. Irgendwann wird es lästig. Die „Ultraracer 290“ haben schon beim TDS in Chamonix einen guten Job gemacht. Nur die Ferse ist etwas hart für mich. Erstmals habe ich heute dickere Einlegesohlen in den Schuhen. Das Original laufe ich seit meiner 20-monatigen Plantarfasziities nicht mehr. Diese heben die Ferse etwas an und schaffen mehr Dämpfung am Ballen. Je nach Stein- und Gerölllage kann das viele Schmerzen lindern und das tat es bisher tadellos.

Es war stock dunkel und auch kalt. Immer wieder schaute ich auf meine Fenix, die mir aktuelle Höhe, kum. Anstieg, kum. Abstieg und Neigung anzeigte. Die Gesamtdistanz war eh Hupe, das die Zwiebel ah jeden Kilometer brav meldete. Bei diesem Bergrennen ist aber (für mich) lediglich die Höhenmeterangabe die entscheidende. Es wurde steiler. Mittlerweile hatte sich das mit der Joggerei erledigt. Zwischen 30 und 60 % Steigung zeigte die Laufuhr an. Der Stockeinsatz schwieriger. Immer wieder mussten ein paar Steilstufen genommen werden. Vielleicht ohne die Stäbchen manchmal besser. Man weiß es nicht.

Erste Zeitkontrolle – Gewissheit

Irgendwann piepste die Garmin den 9. Kilometer und eine Zeitkontrolle kam in Sicht. Die bewährten Nummernscanner, die bei allen großen, internationalen Rennen mittlerweile zum Einsatz kommen. Parallel dazu wird elektronisch an diversen Süffel- und Schnabbulierpunkten gemessen. Funktioniert aus meiner Sicht nahezu perfekt. Schwachstelle immer noch die notwendige Internetverbindung. Mir ist es eh total Banane. Ich kenne die Distanz und die Höhenmeter, die es zu schaffen gibt. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Nur die aufgeregte Gemeinde zuhause an den Hibbelbords macht sich natürlich so ihre Gedanken, wenn mal eine Zahl nicht kommt. 😉

Musik drang durch die kalte Nacht. Wir hatten mittlerweile den Trail verlassen und sockten auf einer Forstpiste entlang. Nur zu hören war der erste VP. Partymucke vom Feinsten mitten im Wald. Nachts nach eins auf Gran Canaria. Kein Haus, nur Zelt. So gefiel mir das. Auf die Cutoff hatte ich bereits knapp 50 min heraus gelaufen. So hatte ich mir das vorgestellt. Ich war drin. So kann es weiter gehen. Natürlich ging es nicht so weiter. War doch klar. Aber das gesteht man sich nicht ein, darf man nicht. Never!!!

Am Süffelstand trank ich gar nichts. Aß, glaube ich, etwas? Eine Banane. Gab es die da? Ich weiß es nicht mehr. Auf alle Fälle war es kalt hier üben. Wir waren auf über 1200 Metern. Kurze Hose war ok aber oben herum war es schon recht frisch, trug man ebenfalls kurz. Ich war nicht so hitzig.

  • Erste Zwischenlandung in Barcelona, kurze Pause –

Am VP war die Distanz bis zum nächsten Check- Verpflegungs- und/oder Getränkestand vermerkt. Leider keine Höhenangaben im Auf- und Abstieg. Man kann nicht alles haben. Aus Gründen hat man es bestimmt nicht angebracht 😉

Das folgende Teilstück ein Traum von Trail. Zunächst ging es ein kurzes Stück die Forstpiste weiter, die ein paar Meterlein asphaltiert oder irgendwie befestigt war. Dann umrundeten wir einen Barranco auf einem schmalen Pfad, Zum Glück war es nachts und auch meine NAO schaffte es nicht, den Grund zu erreichen. Immer dicht am Abgrund liefen wir entlang. Es war traumhaft schön. Als es einen Massenverläufer gab, durfte ich mal kurz die pace übernehmen. Der Trailzug rollte. Es war traumhaft, hier oben zu laufen. Die Lichter vor unter hinter dir markierten den Weg. Ganze 9 Kilometer sollten wir bis zum nächsten Checkpoint unterwegs sein. Ich hatte die Cutoffzeit von 5 Stunden im Kopf. Mit dem Puffer auf dem ersten Stint konnte ich es also entspannt angehen. Kräfte galt es trotzdem zu sparen. Ich wusste nicht was kommt. Nur das es kommt, war klar.

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Seilversichert … Mit dem richtigen Grip aber auch ohne Handarbeit machbar … 😉

Wieder wurde per Handscanner erfasst, als wir nach 19 Kilometern der 18 km Punkt erreichen sollten. Irgendetwas habe ich gegessen und glaube auch Wasser aufgefüllt zu haben. Da schreit mich jemand von hinten an. Wie man es so empfindet, wenn dein Name, mitten in der Nacht, mitten in den Bergen Gran Canarias gerufen wird. Es war der Andi Haverkamp, der mit seinen Schuhen Probleme hatte. Also mit HOKAs meine ich 😉 Ein paar lustige Bemerkungen später war ich wieder ontrail. Andreas überholte mich wenig später. Nicht, ohne sich mit einem Spruch zu revanchieren. Wer Andi kennt, weiß das zu bewerten 😉

Es ging nun steiler hinauf. Besagte 60% im Anstieg wurden erreicht. Die Flachanstiege gingen mit 30% weg. Das war mal was. Allerdings nichts Unbekanntes. Ich musste immer schön am Gas bleiben. Nicht verlaufen …

Kleine Staustelle ... Das Iphone im Bauchgürtel ist da fix gezückt.

Kleine Staustelle … Das Iphone im Bauchgürtel ist da fix gezückt.

Bis zum km 33 sollte es nun ohne Zwischenpause weiter gehen. Das ist weit, weit am Anfang eines Rennens dieser Kategorie. Ich hatte am letzten VP meinen Puffer auf die Cutoff-Zeit nicht verbessern können. Eben doch eng gestrickt die Kiste und keine geführte Wanderung. Immer wieder musst du rennen, wenn es geht. In meiner Leistungsklasse war das nicht so einfach. Aber machbar. Mein Kopf war klar und frei. Knie und Achillessehne hatten sich an die Aufgabe gewöhnt. Keine weiteren Auffälligkeiten. Das Rennen begann so langsam.

Wir musste im Tamadaba Nationalpark unterwegs sein. Gelegentlich sah ich einen roten anstatt des dunklen, schwarzen Himmels. Der Wind gab alles. Die Temperaturen nicht. Zeitweise konnte man seinen Atem sehen. Es wellte sich so hin. Mal hinauf, dann wieder hinab. Auf Grund der technischen Schwierigkeit holt man im downhill nicht wirklich viel heraus. Es sei denn, man geht bei Kilians in die Lehre. Solch ein Lehrling überholte uns quer durch den Wald. Während der gemeine Trailrunner die Serpentine des Singletrails nimmt, nimmt er die direkte Linie. Nachts im rabenschwarzen Wald. Respekt.

Die Kilometer verronnen. Der Höhenmeterzähler steigt und steigt. Immer wieder musste ich an den erwachenden Tag denken. Schaute nach der Zeit. Die Kilometerzeiten, die Garmins Meisterstück fleißig speicherte beruhigten mich. Irgendwann, gegen 7 Uhr musste ich in Artenara durch sein. Das war einfach zu ermitteln. Gegen 7:10 Uhr geht um diese Jahreszeit hier die Sonne auf. Perfekt. Doch noch war es nicht soweit. Dennoch stand die Dämmerung bevor. Immer mal wieder konnte ich den Bentayga Felsen sehen. Ein markanter, alleinstehender Gipfel. Das Wahrzeichen von Tejeda.

Wir kreuzten eine Straße. Hier war ich vor wenigen Tagen mit dem Auto unterwegs. Hatte den Pfad gesehen, den wir jetzt (fühlbar) senkrecht den Wald hinauf mussten. Mittlerweile wurde km 30 aufgerufen. Es zog sich, wie Kaugummi. Die Kletterstücke überwogen. Der nahende Getränkestand wirkte magnetisch. Alle fünf Kilometer tauchten diese demotivierenden Schilder im Wald auf. Diese, die kein Mensch sehen will. Klein wie ein A4 Blatt aber die Zahlen umso größer.

Es wird die Restdistanz angezeigt – Psychoterror in Reinkultur. Das will doch keiner sehen 😉 Ich kann mich besonders an das erste erinnern. „115 km to meta“ stand drauf. Zumindest konnte ich meine genaue Distanz mit der Restdistanz abgleichen und fühlte mich in der Annahme bestätigt, dass hier nach 123 oder gar 125 km nicht Schluss ist. Aber so ist Ultra. Es ist vorbei, wenn’s vorbei ist. Immer wieder tauchten Ortschaften auf, kleine Weiler. Die aber nicht der nächsten mentale Zielpunkt waren. Dann endlich. Ich konnte die markante Statue hoch über Artenara sehen. Auch der Bentayga tauchte auf. Noch eine kleine Runde durch den Ort und km 35, der km 33,4 war, war Geschichte.

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Erster großer VP – es war sau kalt

Wieder warf ich eine Elektrolyt-Tablette in die geleerte Trinkflasche und füllte mit Wasser nach. Einen kleinen Kaffee habe ich mir noch abgefüllt. Zucker fand ich nicht. Für mein Empfinden der (einzige) schlechte Verpflegungspunkt. Aber vielleicht war ich nur übernächtigt und kaputt und froh, dass das Dunkeltapsen bald ein Ende hatte.

Zwei kleine Bananen, eine halbe Minute sitzen und weiter ging es. Hier oben war es Schweinekalt. Einige Läufer hatten sich die kleine goldene Zauberdecke über geworfen, um sich vor der Kälte zu schützen. Körperfettanteil unter 6 ist also auch nicht immer praktisch 😉 Spaß beiseite. Ich hoffe, alle kamen wieder auf die Beine. Der Kümmerfaktor war irgendwie … niedrig.

Ich sah zu, dass ich wieder auf die Piste kam. Während des Laufens gönnte ich mir einen halben Beutel Süsskramkonfekt. Bring an die 300 kcal. Mann ist beschäftigt und hält den Fettstoffwechsel am Laufen. Als wir den Ort leicht ansteigend (also unter 30% 😉 ) verließen, konnte ich die Kirchturmuhr sehen. Es war viertel sieben. Irre. Wieder hatte ich die vorgesehene, vom Veranstalter erdachte Laufzeit gebraucht. Ich sprach mit mir, war gut im Rennen. Kein Grund zur Sorge. Ist erste einmal die Nacht zu Ende, die Verletzungsgefahr durch eventuelle Stürze minimiert, dann wird es besser.

Bislang hatte ich noch nicht einmal auf mein Roadbook gesehen. Hatte ich es eigentlich im Kopf. Die wichtigen Orte, die Zeiten, wann ich da sein musste, oder eher wieder weg. Für den ersten Marathon war alles präsent. Meine Wunschpace für diese Distanz die des „Mont-Blanc-80“ mit um die 8,5 h. Klingt irre. Ich weiß. Thats Trailrunning, wo es am Ende die bisher höchste ITRA-Bewertung gibt. Da wird schon was erwartet.

Wir liefen jetzt auf dem Straßenstrich. Immer wieder musste auf asphaltierten Verbindungswegen gerannt werden, die zwischen schmalen Ortverbindungswegen verliefen oder umgekehrt? Es dämmerte langsam. Aber Sonne gab es keine. Auch keinen spektakulären Sonnenaufgang hoch über der Insel. Es war einfach diesig, kalt und wölkte (leichter Sprühregen). Für das Laufen perfektes Wetter. Für die Seele war es nichts. Dieser Abschnitt sollte uns nur 9 km bringen. Mit teils wunderschönen Ausblicken auf die Vegetation. Diese wächst nun mal nicht im strahlenden Sonnenschein. Kleine Grüppchen bildeten, so schnell verloren sie sich wieder. Dennoch traf man sich über zig Kilometer ständig wieder. Irgendwie. Es war verrückt.

Kurz vor Fontanales erreichte ich meinen ersten Marathon. Gemeinsam mit einer spanischen Läuferin unterwegs zückte ich erstmals das IPhone für ein Lebenszeichen. Ich war erstaunt, dass ich fast meine Wunschzeit erreichte. Verrückt. Über 3200 hm waren bereits gelaufen. Das war heftig. Mehr als am MB80. Na gut, sagte ich mir. Es sollen ja auch 8500 Höhenmeter im Anstieg zusammen kommen und die letzten 30 km ist man ja flach unterwegs (flach heißt unter 500 hm in den Bergen).

Es rollte. Im Downhill war ich einfach effektiver unterwegs. Der Abschnitt mit "Röckchen" zusammen hat wirklich Spaß gemacht. Leider war sie irgendwann im Rückspiegel verschwunden

Es rollte. Im Downhill war ich einfach effektiver unterwegs. Der Abschnitt mit „Röckchen“ zusammen hat wirklich Spaß gemacht. Leider war sie irgendwann im Rückspiegel verschwunden. Es dämmerte.

Der VP selbst völlig unspektakulär. Ich hatte, da es der Startpunkt der 85k-läufer ist eine mittelschwere Party erwartet. Nix dergleichen.

Die Advanced-runner waren seit 45 Minuten ontrail. Es sollte also nicht zum gefürchteten Stau kommen. Es war sogar recht einsam auf der Strecke. Man konnte nicht glauben, dass 750 Läufer auf der Strecke waren. Oder wie viele waren es noch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass alle mit diesem engen Zeitfenstern klar kamen. Oder war ich so schlecht. Hatte ich mit zu viel zu gemutet. War das hier meine Leistungsgrenze? Hatte ich sie endlich gefunden? 😉 Nein, nein, nein. So leicht kriegt ihr mich nicht. Meine Pufferzeit wuchs, wenn auch nur minütlich. Es folgten jetzt mehrere Orte mit kurzen Zeitabständen. Als wir nach 50 Kilometern Valleseco erreichten, war es taghell. Die Sonne hatte sich immer noch nicht aufraffen können. Klar, war Wochenende. Das schläft man länger. Wir waren bereits an die 10 Stunden unterwegs. Zeitmessungen gab es keine

Dafür eine geöffnete Tankstelle. Völlig unterhopft 😉 suchte ich meine Geld. Im Trinkrucksack. Ich hatte mich dann trotz der defekten GEL-Tasche für den Soliman-12 entschieden. Aber das Geld war trotzdem nicht am erwarteten Ort. Schade. Kein Dorade-Lemon. Ein Verwöhnprogramm sondergleichen nach all diesem Süßkram. Am VP gab’s auch kein Bier, dafür aber Bänke zum Sitzen. Eine Wohltat, mal eine Minute von den Füssen geholt zu werden.

Bevor ich anwuchs ging es auch schon weiter. Hatte eh nix großes vor. Außer Wasser auffüllen mit der üblichen Tablette. Ein GEL hatte ich auch schon mal wieder eingespritzt. Alles nicht so spannend. Hingegen ging mir die ganze Zeit die Geldfrage durch den Kopf. Da ich das eigentlich immer ganz gut plane, wollte ich es gar nicht verstehen. Bis es mich beim nächsten Speedfoto wie Schuppen, das IPhone hatte ich einer separaten Bauchtasche, des schnellen Zugriffs wegen, aus den Haaren fiel. In der Bauchtasche war der 10-er. Perfekt.

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Man kann sich vorstellen, wie das beflügelte. Wo ist hier der nächste Ort. Ich hatte eine super Ablenkung von diesen „Noch 75km to meta“ Schildern. Wir bewegten uns immer wieder auf herrlichen Verbindungswegen. Der Straßenanteil beschränkte sich nur noch auf den Ort. Hier liefen wir zum VP und parallel wieder zurück, so mein Gefühl.

Der schönste Ort der Insel – und es gab neue Getränke

Bis 13 Uhr sollten wir Teror, der angeblich schönste Ort der Insel, wieder verlassen haben. Es war ein wirklich beklopptes Stück der Wegführung. Als wir am oberen Ortsende einliefen, wechselte der Belag nach Asphalt. Im Ort liefen wir entlang einer viel befahrenen Straße. Rechts oder links. Je nach Gusto. Nur die wirklich hervorragende Streckenausschilderung markierte den Weg.

Das Beste an dem ganzen Ort war der kleine Supermercado an seinem Ortseingang. Kaum wäre ich vorbegrannt. Zwei Tropical-Lemon wurde nach endlosen 2 Minuten im Lager noch gefunden. Während ich bezahlte, packte eine offensichtliche Stammkundin die 2 Biere in einen Beutel und verabschiedete mich.

Was mögen die zwei wohl gedacht haben? Kaum aus Sichtweite, ein Knack, ein Zisch, ein Ahhhh. Trailrunner, was willst du mehr. Man kann sich das nicht vorstellen, wie lecker das war. Nach knapp 11  Stunden dieses Geschmackserlebnis. Der Doseninhalt überlebte das erste (und letzte) absetzen nicht. Weiter ging es durch den Ort auf beschriebene Art und Weise. Mit einkaufstüte in der Hand. Ein Bild für die Götter. Natürlich kannst Du in dem Laden nicht so unfreundlich sein und die Bolsa ablehnen. Geht nicht. Also gab ich den Ultrarunner mit Einkaufsverpflichtung.

Der VP war dann schon fast nebensächlich. Dennoch gab es wieder Stühle zum Hinsetzen. Mein Wasserritual wurde fortgesetzt. Am VP habe ich meist nichts getrunken, da mir das mit dem Faltbecher zu nervig war. Die Wetterlage lud auch nicht gerade zum Trinken ein. Ich tat es, weil es sein musste.

Die Abstände der VPs lagen jetzt wieder bei ca. 9 km und kürzer. Totales Verwöhnprogramm. Wo man aber auch viel Zeit liegen lassen kann. Sollte es aber knackig warm sein, sieht die Sache schon anders aus.

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Teror verließen wir aaaansteigend, steil ansteigend auf einer herrlichen Treppe. Gleiche Stufenhöhe. Ein Genuss für die zwickende Hüfte. Ab und an gab es einen Salzstick. Ich glaube über die Gesamtdistanz habe ich aber nur 3 genommen. Bin nicht so der Salzmann und von der Wirkung bin ich in meiner Leistungsklasse auch nicht wirklich überzeugt. Es war kühl, optimales Laufwetter, die Landschaft ein Traum. Langsam klarte es auf. Wir konnten bis nach Las Palmas hinunter blicken mit seinen vorgelagerten Inseln.

Was nun kam war der dritte große Anstieg. Bis auf 1600 Meter ging es hoch. Bei knapp unter 600 waren wir gestartet. Es waren diese langen Anstiege. Nicht die kurzen, knackigen, die dir die Achillessehnen abreißen. Immer wieder hoch 20 – 25%. Manchmal ein ebenes Stück. Du hängst stetig am Gas und musst aufpassen, dass du das Rennen nicht verbummelst. Ich war mental noch gut aufgestellt. Mein nächster großer Zielpunkt war die Dropbag-Station bei km 82, was nach bisheriger Messung ca. bei km 84,xx sein musste. Vielleicht auch ein Kilometerchen mehr. Wer weiß das schon so genau.

Blick zurück

Blick zurück … Wir hatten schon ein wenig Insel überquert

Die Höhenmeterei hielt sich in Grenzen. Alles nichts dicket. Auf 8500 Höhenmeter Anstieg kommen die hier nie und nimmer, so meine feste Annahme. Das hat wohl jemand mit dem 80 cm Zollstock gemessen. Wenn ich diesen Anstieg geschafft habe, ist es eigentlich durch. Dann noch ein kleinerer von Tejeda rauf und das war’s das. So meine innere Stimme. Es war wirklich ein traumhafter Pfad, der da hoch ober entlang führte. Immer wieder schöne Talblicke. Manchmal ein bissl eben vorausführend. Es schien der offizielle Wanderweg zum Cruz de Tejeda zu sein. Nach 600 hm Anstieg war ein kleiner Versorgungsposten eingerichtet. Wasser, Cola und Iso gab es wohl. Mir reichte Wasser und ein GEL wechselte seinen Aufenthaltsort. Alles war optimal.

Cruz de Tejeda

Kurz nach dem VP wechselten wir auf eine Fahrstraße, die uns zum Cruz de Tejeda herüber führte. Menschen ohne Ende, Autos ohne Ende. Aber sie hatten alle ihre Hände vergessen. Schade.

Mittlerweile hatten wir die Inselseite gewechselt. Die Sonne kam heraus. War es hier oben auf 1600 Metern doch noch recht frisch war klar, dass es im Talkessel auf 1000 Metern recht kuschlig werden kann. Dennoch genoss ich solange es ging den Downhill in meiner kleinen, winddichten Minimus.

Irgendwann aber musste ich dann doch den Trailstrip machen. Jacke aus und rein in den Rücken. Ein frischer Wind versuchte Kühle zu suggerieren. Jetzt begann das gefährliche Wetter. Ehe du dich versiehst bist du verdorrt, ohne es zu merken. Mein Wetter. Ich liebe diese Hitze … Erstmals habe ich auch beide 500-ml-Trinkflaschen gelehrt, als ich bei km 74 (offiziell 71,9) Tejeda erreichte. Das war wieder einer dieser luxuriösen VPs. Alles, was das Herz begehrt. Nur mit Stühlen und Bänken (vielleicht sogar noch im Schatten) sah es schlecht aus. Man kann nicht alles haben.

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Konzentriert bleiben … tunneln …

Ich fand trotzdem einen freien, plastenen Gartenstuhl im Schatten eines kleinen Puppentheaters oder war das eine Figur, wo jemand rein schlüpfen konnte? Egal. Schatten.

Zeit, sich etwas Gutes zu gönnen. Es folgt noch ein größerer Anstieg. Der zum Dropbag-Verpflegungspunkt und anschließend auf den höchsten Punkt der Insel, den „Pico Nieves“. Nutella bewirkt Wunder, nein, auch im Kopf. Die Packung Nutella-Sticks hat nicht lange gelebt. Das Auffüllen der Wasserreserven dauerte etwas. Habe ich auch noch die Reserve-Flask mit 500 ml Wasser befüllt. Somit sollte ich für die große Hitze gerüstet sein.

Den VP verlassend ist erst einmal wieder Muskulatur lockern angesagt. Auf der Ortsverbindungsstraße wird leicht abwärts gelaufen. Um schlussendlich, ein keines Bachbett querend, zum wunderschönen Anstieg abzuzweigen. Das Bachbett lädt zum Bade, nicht aber zum Trinken. Schnell das Buff nass gemacht und das Rübchen ein wenig vorkühlen. Es wehte eine frische Brise und bald wurde es auch schattiger. Nach viel zu kurzer Zeit erreichten wir eine Ortszufahrtsstraße. Auch hier könnte wieder gepflegt gelaufen werden, ohne sich zu überfordern. Vorsorglich kaufte ich mir an der nächsten Bar noch eine eiskalte Cola, die den Weg bis zur nächsten Müllbox auch nicht überlebte. Das war „richtige“ Cola 😉 Zuviel davon, ist ja auch nicht gut.

Alsbald verließen wir die Fahrstraße wieder und folgten dem offiziell ausgeschilderten Wanderweg zum Roque Nublo. Gepflegter Weg mit nur wenigen Kletterstellen aber immer schön ansteigend. Kaum kam man an laufen, war wieder steigen angesagt. Die pace im Schnitt dann auch nicht der Brüller. Man kann einfach nirgendwo ein bissl an seinem Cutoff-Puffer arbeiten. So als alter Trailsack.

So richtig wusste ich in diesem Abschnitt nicht Bescheid. Das ausgegebene Höhenprofil suggerierte hier etwas anderes. Vom Rolf wusste ich, dass wir erst auf den nublierten Roque, dann den VP und dann den Steilaufstieg zum Nieves machen. Na denn. Immer wieder nutzte ich die Bachquerungen, um meine Füße zu kühlen. Ich war nun bereits 18 Stunden unterwegs. Der Tag neigte sich schon wieder dem Ende. Zumindest mit dem Sonnenlicht war nicht mehr lange zu rechnen. Ich stiefelte tapfer weiter den Berg hinauf. Alles keine Steigungen, die wirklich wehtun. Aber 10 km ziehen sich in die Länge.

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Einmal nur noch umrunden und dann geht es hinauf …

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… zum 80 m hohen Monotithen.

Wir umrundeten den großen Steinklotz und stiegen anschließend zu seinem Plateau auf. Hier befand sich eine offizielle Zeitmessung. Gern wäre ich um den Roque drum herum gelaufen. Aber das geht leider nicht, wie ich mich an frühere Ausflüge hier hoch erinnern kann.

Rüber zum großen Kullerfelsen

Und nix wie wieder weg. Essen ruft.

Und nix wie wieder weg. Essen ruft.

Also schnell den Scanner „ertragen“, hat auch gar nicht weh getan, das böse Schild („45 km to meta“) nicht ignorieren könnend liefen wir auf gleichem Weg wieder vom Hochplateau herunter. Nun war mir der Weiterweg völlig unklar. Alles war, wie die ganze Zeit auch, perfekt ausgeschildert. Wenn man beim Laufen nicht einschläft, kann man sich auch nicht verlaufen. Zusätzlich wird an gefährlichen Stellen, auch an Kreuzungen zur Fahrstraßen, mit zusätzlichen „Achtung“sschildern agiert. Das ist schon sehr vorbildlich. Wobei man sich an manchen Stellen fragt, ob der Ausschilderer nach verarbeitetem Sponsorenband, bezahlt wird 😉 Lieber zu viel als zu wenig. Da die Jungs und Mädels die ganze Sache bereits einige Jahre erfolgreich tun, hat man sicher seine Erfahrungen damit.

Sieht schöner aus, als es war. Die Staudamm after Roque nublo.

Sieht schöner aus, als es war. Die Staudamm after Roque nublo.

Ich lief der Meute hinterher. Noch mal eine Biege und noch mal hoch und wieder runter. Ich hatte keine Ahnung wann wir ankommen. Zwischenzeitlich speicherte ich meinen Doppelmarathon mit +D5800 hm nach meiner Messung. Und wieder eine kleine Schneise entlang. Dann endlich Helfer. Das sichere Zeichen, dass hier gleich was passiert.

Wir erreichten eine Zona Recreativa. Auch das blindeste Licht würde hier den Weg ins Umkleidehäusl finden. Was bei Tag betrachtet etwas überbeschriftet wirkt … aber kann bei dem cuttoff (1900 Uhr) …

Egal. Ich war drin. Erhielt meinen Beutel und ab ging es auf die Gymnastikmatte. Frische Sachen anziehen. Der Beutel war im perfekten Zustand. Danke für den schonenden Transport!!!

Schnell waren sauber, trockene Sachen am Körper, die Füße durften noch ein wenig Luft tanken, bevor sich mit Fußbalsam versorgt in duftenden Socken verschwanden. Es sind die kleinen Dinge im Leben. Das war so eins. Am Roque Nublo musste ich mir wirklich auf die Zunge beißen, als ein Wanderer, wohl eher Autotourist zu seiner Begleiterin sagte: „Na wenn die glicklisch aussähn“ Er würde es eh nicht verstehen. 😉 Schade. Ich würde viele Momente, die ich in den vergangenen 18,5 Stunden erlebt habe nicht wieder hergeben wollen. Runnershigh passiert hier laufend. Und bisher ging es mir gut. Mein letzter großer Mentalunkt war erreicht. Aber erst 2 Marathons. Merkt ihrs? Es musste was passieren. The final countdown war noch zu weit.

Nach dem Strip dann noch schnell das Notwendige. Einen Teller Nudeln und eine Handvoll Kartoffeln. Ich hatte keinen Hunger, doch ich musste. Immer wieder wurde an die bevorstehende Verlassenszeit um 19:00 Uhr hingewiesen. Jahaaa. Ich habs gehöhert. Es nervte. Anhand meiner Reaktion war schon klar. Die Stimmung kippte. Vor der Tür dann das Wasser für das Auffüllen der Trinkflaschen. Danke für die Hilfe.

Schnell noch ein kurzer Schnack mit der Cuttoffnervensäge (Sorry, aber hast es ja gut gemeint) und ab ging es durch den Wald. Ich fror, wie ein Schneider. Trotz übergezogener Jacke. Mein Rucksack war extrem leichter geworden. Kein Ladegerät mehr. Ich hatte die Fenix noch einmal auf 90% aufgeladen während der Pause. Zuvor hatte sie sich schon einmal bei km 60 gemeldet, sodass ich sie eine Stunde später mit 17% Restladung am Arm auflud. Das funktioniert ganz gut während des Betriebes. Bei TDS erstmals getestet, funktionierte es heute perfekt. Der ganze Track ist auf der Uhr.

Überflüssiges wurde alles im Dropbagbeutel verstaut. Auch meine zweite Lampe brauchte ich nicht. Die NAO mit Reserveakku hat über 14 Stunden im reaktiven Modus funktioniert. Hammer!!!

Besonders unangenehm waren meine kalten Füße. Durch die Bachquerungen waren sie nass und ausgekühlt. Bei nächsten Mal werde ich sicher wieder durch das Wasser laufen. Aber gleich etwas Warmes anziehen. Durch die nun folgenden 250 hm auf geschätzten 1000 Meter machen nach kurzer Zeit warm. Es ging fast direkt den Berg hinauf. Mann hab ich geflucht. Es kippt. Alter Mann die Stimmung kippt. Nein, ich habe es nicht gemerkt. Dieses langsame Anschleichen tückisch. Da muss man gegen steuern. Ich hätte Musik anschalten sollen. Hab ich übrigens die ganze Zeit nicht gemacht. Sicher und trocken steckte der MP3 Player samt Kopfhörern in der Bauchtasche.

Immer und Immer höher ging es den Berg hinauf. Was war dann der hässliche Downhill, von dem der Rolf am Start sprach. Ok. Erst mal hinauf. Irgendwas mit 1950 m üNN hatte ich mir aufgeschrieben. Eine Leitplanke zu einer Straße wurde überstiegen und dann sollten die Stalker mit ihren Scannern auch schon wieder präsent sein. Neee. Es wurde elektronisch gemacht, da mit dem Auto zu erreichen.

Das war’s dann also mit heavy Anstiegen. Nur noch schnell 40 km Downhill und das Ding ist im Kasten. Na das war ja einfach 😉 Nein, ich hatte einen Höllen Respekt von der Restdistanz. Zumal es mit den 123 km Gesamtdistanz nun auch Essig war. Wie GPS ebenso misst oder nicht. Aber im Nachhinein hat sie fast perfekt gemessen. Wie viele zusätzliche km würden kommen? Durch meine Luxuspause mit Sachsenwechsel war meine Pufferzeit auf 1:40 Std. geschrumpft. Wenn du dich einmal im Downhill um 3-4 km verfranzt und wieder zurück musst. Viele böse Gedanken kamen auf.

Aber erst mal ging es abwärts. Downhill, wie ich ihn liebe. Nichts dicket. Alles gut zu laufen. Die LaSportiva Ultra Raptoren kamen trotz mangelnden Profils ganz gut mit den etwas rutschigen Passagen zurecht. Hier hätte ich mit was salomonisches, softgroundiges gewünscht. Aber die sind für meinen Quadratlatsch, den ich mir jetzt angelaufen hatte, einfach zu eng. Keine blauen Zehennägel mehr, kein verrutschen im Schuh seit der Absage an Salomon für die langen Dinger. Für mich eben nicht der optimale Schuh, leider. Aber für die kurzen Distanzen, bis 5 Stunden, oder wenn es wirklich nass und glatt wird, geht’s schon. Watt mutt dat mutt.

Ich kann ganz gut runter, nur die Nase nicht. Kein Taschentuch dabei. Warum läuft die denn mit einem Mal so. Ich schaute an mir herunter. Rote Pünktchen auf blauer Windjacke. Das ist Mist. Nasenbluten. Ich musste aber weiter. Konnte mich nicht mit solch einem Nebenkriegsschauplatz befassen.

Mann versucht erst einmal, das Thema zu ignorieren. Kennt man ja. Irgendetwas ist immer. Also Hirnströme umlenken. Klappt nur bei dem Thema nicht, die Suppe läuft Dir trotzdem aus der Nase. O.K. Ich höre schon auf. 😉

Es läuft, aber oben

Also kurzer Stopp. Meinen Erste-Hilfe-Kasten aus dem Rucksack geholt und einen Mullverband opfern. So ein Tampon Verkäufer am Wegesrand wäre jetzt wirklich toll gewesen. Wenn man sie schon mal braucht. Spaß beiseite. Die Stöcke in der einen Hand, mit der anderen Hand versuchte ich die Blutung zu stoppen. Nicht so einfach in der Downhill Bewegung. Aber irgendwie ging es. Immer mal ein Test, läuft noch. Ein Theater am Pico Nieves sage ich euch. Das gute war, ich war beschäftigt und der Kopf kam wieder frei. Die schlechte Nachricht. Jetzt fing die andere Nasenseite auch noch an. Sicher irgendsolch eine Kreislauf Geschichte oder Adern geplatzt. Nichts Genaues weiß man nicht.

Ich ersann einen Nasenverband, Hatte ja noch eine Binde mit. Außer der adhäsiven natürlich 😉 Der Weg wurde steiniger, ich lief vorsichtiger, die Blutung ließ nach. Besser war es auch für die Kompresse. Noch eine hatte ich ja nicht, Was soll man denn noch alles mit schleppen. Als wir den Karrenweg erreichten, eine aus meiner Sicht wunderschöner gepflasterter Weg, war die Nase wieder in Ordnung. Ich stellte vorerst auf Mundatmung um. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Herrliche Weitblicke ... das nächste Mal bin ich etwas eher hier ... ;-)

Herrliche Weitblicke … das nächste Mal bin ich etwas eher hier … 😉

Diese Felsnase ist bereits aus Meloneras (Dünen von Maspalomas) auszumachen

Diese Felsnase ist bereits aus Meloneras (Dünen von Maspalomas) auszumachen. Unser Abstieg.

Die Landschaft zum nächsten VP nach Tunte ein Traum. Zum Glück durfte ich das noch bei Tageslicht erleben. Wunderschöne Felswände. Wir sahen einen Stausee. Wahrscheinlich der von Ayagaures, der irgendwann bei km 106 (nach meiner Rechnung km 110) erreicht wird. Ich passierte den Großteil des Weges bei wunderschönem Sonnenuntergang. Endlich mal was fürs Auge. 😉 Es ging wieder weit hinunter. Ich glaube bis auf 800 m. Ich zog es dann doch vor, noch vor Tunte die Lampe aufs Rübchen zu schnallen. Wenn die Sonne verschwunden ist, geht es hier im Süden ja recht zuging. Und dann ist Dunkeltuten angesagt. Alles war vorbereitet. Das Buff bereits seit dem letzten VP auf dem Kopf. Die Lampe im Außenfach des Laufrucksacks. Es wurde um Millisekunden gekämpft. 😉 Spaß beiseite. Lampe suchen im Dunkeln macht keinen Spaß, deshalb bin ich das lieber gut vorbereitet. Auch den neuen, vollen Akku hatte ich drin. Getestet. So bin ich eben.

Mein Weg. Karrenwege vom Feinsten. Die kommt Fahrt auf. In Formation downhillte ich mit zwei spanischen "Downhillern". Das war eine Freude.

Mein Weg sollte folgen. Karrenwege vom Feinsten. Die kommt Fahrt auf. In Formation downhillte ich mit zwei spanischen „Downhillern“. Das war eine Freude.

In Tunte dann hat man den VP recht schnell erreicht. Einen Kilometer rennt man durch den Ort, dann ist man auch schon da. Und hier passierte es nun, was passieren musste. Mein Tiefpunkt wurde erreicht. Dieses blöde Schild … 31 km bis zum Ziel stand in kleiner Schrift drauf. Und ich hab es trotzdem gelesen. Sooo weit. Noch 400 hm Hoch, dann nach Ayagaures runter, dort noch mal 250 hm runter ins Flussbett und dann ist man auch schon fast da. In dann noch mal 19 Kilometern.

Ich konnte es nicht fassen. Noch 31 km. Es war wieder dunkel. Stockdunkel. Ja, ich habe meine Schwachstelle erkannt. Nachts übern Trail rennen muss dringend trainiert werden. Wenn’s geht noch hundemüde. Ich arbeite dran.

Na dann trinke ich erst mal einen Tee, um das Gemüt zu beruhigen. Gibt’s nicht? Nicht mal eine Beutel und heißes Wasser? Nix. Nur Cola, ISO, Wasser und irgendwas zu essen.

Ich musste mich hinsetzten. Kein Stuhl. Ahh. Da hinten am Ende des kleinen Platzes eine Steinbank. Meine Steinbank. 31 km noch. Das darf doch nicht wahr sein? Es ist vorbei, wenn es vorbei ist. Wenn es vorbei ist!!! Am Ende. Ich redete mit mir. Noch leise. Aber ich kann auch laut. Obwohl ich das schon sehr, sehr lange nicht mehr gebraucht habe. Habe das mit dem inneren Anschreien ganz gut im Griff. Ich kehrte zur Tagesordnung über. Kopf frei. Weg mit den Gedanken. Mit dem Cutoff blieb alles irgendwie konstant. Na wenigstens was.

Was mache ich jetzt. Keinen Tee. Keine Lust. Noch nicht im Ziel. Meine Nase läuft? Zum Glück nicht wieder das, was ich befürchtet habe.

Eine Mullkompresse hatte ich noch. Zum Nase putzen reicht es. Ärger rausputzen. Nagetier du musste jetzt einfach ins Ziel, Dann ist es geschafft! Dann biste durch! Nur noch 3 Stunden als Trainingsjog oder hier eben 5. Ist doch total Banane. Ins Ziel musst du. Ich muss wohl sehr bedürftig ausgesehen haben. Zumindest sprach mich eine Helferin mehrfach mit „Are you ready“ an, was ich irgendwie mehrfach und erfolgreich ignorierte. Hatte mit meiner Looserseite zu tun 😉

Alles gut. „I’am ready, I‘am o.k., Great race, thank you“. Antworte ich. Sie ging einfach nicht. Ich packte meinen „Sanikasten“ wieder in den Rucksack … Jetzt fangen die hier auch noch zu tanzen an. Mann und Frau waren wirklich sehr bemüht. Ich hatte aber (leider) keinen Kulturbedarf. Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht mittanzen sollen?

Auf geht’s. Ich folgte meinem Lieblingsflucher. Bereits in Tejeda war er mir aufgefallen. Er fluchte von Zeit zu Zeit immer auf Spanisch. Motivationssprüche, die ich nicht verstand. Dann rannte er immer wie ein geölter Blitz los, um sich weniger später wieder überholen zu lassen. Ein wirklich lustiger Kerl. Im Ziel lief er kurz nach mir durch und schimpfte bei Schuhe ausziehen, wie ein Rohrspatz. Wir lächelten uns an.

Wir stapften eine Straße hinauf. Asphalt. Na prima. Ich war noch drin, in diesem tiefen, tiefen Tal. Jemand sprach mich auf Deutsch an. Ich verstand nix oder hörte nicht hin. Ging einfach weiter. Was mache ich jetzt? Ich wanderte zügigen Schrittes das Dorf hinauf. Es war angenehm zu gehen. Ich kam gut rein. Suchte mir immer wieder eine Lampe, zu der ich aufschließen konnte. Es konnte auch getrabt werden, Geröll kam auf. Wieder eine knochentrockene, staubige Straße. Irgendein Sandstaub. Ich hatte sowas mal in seiner Endform beim Bluetrail erlebt. Ich dachte, ich laufe im Zement rum. Es war einfach nur staubig. Endlich ein Abzweiger nach endlosem Auf. (so dick war es gar nicht, aber was der Kopf draus macht), Es ging auf schmalem Pfad nach Ayagaures hinunter. Ausgeschildert. Hier muss ich schon mal gewandert sein. An dem Stausee waren wir schon mal. Meine Lampe suchte die Felswände ab. Bei Tageslicht musste das hier ein Traum sein. Ich sagte mir das. Es half.

Ich perfomte wieder auf dem Trail. Immer mehr rote Lämpchen durften sich meines ansehen. Sollte ich mal zuhause anrufen? Und dann? Ein bissl jammern? Hilft ja manchmal in extremen Situationen. Mein „Freund“, der fluchende Spanier mit seinen roten Kompressionsstrümpfen kam mal wieder vorbei. Ich sah schon den Ort. Endlose 12 Kilometer, für die ich wohl 2,5 Stunden gebraucht hatte. Ja, es gab auch laufbare Passagen. Mein Kniehub, über einen Kronkorken wäre ich sicher gestolpert.

Erste Häuser tauchten auf. Eine Gruppe erfahrener Einheimischer feuerte jeden an, der hier vorbei kam. Keine Ahnung, wie spät es war. Für mich war es nur noch Nacht, dunkel, aber warm. Ich hatte die Jacke wieder im Rucksack und lief kurz, auch oben. Oder erst am VP. Ich weiß es nicht mehr. Die Stirnlampe drückte. Ich ruckelte sie an meiner Stirn herum, machte sie lockerer. Mann beschäftigte sich. Nur nicht einschlafen. Nur nicht verlaufen! Bleib wach.

Es war verdammt einsam hier. Wir erreichten den Staudamm. Endlich. Der Ort konnte nicht mehr weit sein. Die Erstanfeuerer waren von weitem noch zu hören. Wir liefen an einer hohen Mauer entlang. „Campo de futbol“ oder so etwas. Vielleicht gab’s die Mauer auch gar nicht. Hatte im Downhill ja schon USB-Sticks am Boden liegen sehen. Hmmm. Teilweise Straßenbeleuchtung. Einige Lämpchen gingen einen Berg hinauf. Die Strecke teilte sich hier. Wenige Augenblicke noch. Der (für mich letzte) VP war erreicht. Kleine Jungs wurden gemaßregelt, dass sie mir nicht die richtige Gasse zum Einlaufen zeigten. Ein letztes Mal elektronische Messung. Eine Mauer hinterm dem Fressstand war meine. Rucksack ab, Lampe ab. Kopf in die Hände. So saßen hier einige. Ich wollte Tee. Oh, schade. Nix mehr da. Kanne leer.

Kein Problem, sie holt neuen. Daaaanke. Teeee. In Windeseile war neues Zauberwasser in die Thermoskanne gekommen. Welch ein Geschmackserlebnis. Mein Rachen glich einer Raspel. Ich konnte die ISO Tabletten auch nicht mehr sehen.

Nur noch 19 km. Oder 20 oder 18. Konnte man endlich mal wieder am Stück was rennen. Diese Intervalle nervten. Aber ich sah wieder Licht am Ende des Tunnels. Eine lange Durststrecke ging zu Ende. Ich glaube wohl die Hälfte des Weges … Alles wird gut, am Ende. Wenn’s scheiße läuft, ist es nicht das Ende. Gehen, bis es wieder läuft. Gehen wenn’s nicht mehr läuft. Immer wieder antraben. Immer wieder. Routine reinbringen. Nicht nachdenken!

Ich war wieder fit, mental zumindest. Jetzt noch 14 km und dann kann ich richtig renn. Vielleicht wird das irgendwie um 2 werden. Das wären dann immer noch 3 Stunden vor Zielschluss. Ich hatte aufgeholt? Gut.

Ich verließ den Rastplatz mit 2 weiteren Läufern oder 3. Viele. Eigentlich brachen wir alle auf und der Rest des Dorfes mit 😉 Ich hab keine Ahnung. Ich musste los. Hatte noch ein date, in Meloneras, Die warteten mit ihrem Zielbogen … Wir hängten uns aneinander. Wechselten uns ab. Bis keiner mehr überholte. Plötzlich war ich mutterseelenallein. Hoch, hoch. Noch 250 hm und dann noch in das Flussbett. Hoffentlich kann ich da vernünftig renn. Ich will ankommen. Ich will ins Ziel. Es ist dann genug für heute. Mein Trailbedarf ist erfüllt. Endlich, es geht runter. Ja, schön geröllig. Aber für das ein oder andere Intervall reicht es.

„Japanischer Steingarten“ – Lustige Bezeichnung aus dem FB-Beitrag von Klaus Dahlbeck, die es sowas von trifft.

Endlich. Ich bin im Flussbett. In DEM Flussbett. Das hat die Welt noch nicht gesehen. Ich fluche. Immer noch leise. Hier kann ich doch nicht laufen. Grobe Kiesel zwischen Schilf. Haben die das hier extra gemacht??? Acht Kilometer soll das so gehen? O.k. Mein Kopf fuhr Achterbahn.

Das kann doch nicht wahr sein? Bin ich falsch hier. Neee. Überall markiert. Ich hatte die Laufuhr auf Distanzmodus geschaltet. Die haben einen Vogel. Ich suchte die Felswände mit meiner Lampe ab. Irgendetwas Tolles muss doch hier sein. Diese Geröllhalde war es nicht.

Ich war durch, am Ende. Der Kopf musste aus. Was soll ich tun. Ich suchte den Boden nach etwas tollem ab. Einen Hühnergott. Da, eine verrostete Stalllaterne. Sah jedenfalls so aus. Oder wieder nur eine Fatamogana. Die Kilometer zogen sich. Ab und an wechselten wir die Bachseite. 20 m vielleicht. Eine Fahrspur. Intervalle waren angesagt. Wenige Meter später wieder Geröll. Unglaublich. Wer hat das ganze Zeug hier her gekippt. Nach endlosem Alleingang hörte ich Stimmen, sah Licht. Läufer saßen am Geröll, den Kopf in den Händen. Es war das letzte Gericht, was uns hier erwartete. Ich traute mich kaum zu traben. Teils Knöchelhoch die Kiesel. Wollte mich nicht noch verletzten. War bisher ohne Sturz durchgekommen. Wieder laufen. Oh, lange laufen. Das Geröll hörte auf. Nur noch wenige Passagen auf einem staubigen Fahrweg. Immer wieder laufen. Doch? Was war das.

Wieder hatte der Veranstalter mehrere Wagenladungen Kiesel hier abgekippt 😉 Böses Gestürze setzte ein. Und ich dachte, ich bin durch. Wieder diese zermürbenden Kiesel. Ich konnte das Klackern nicht mehr hören. Oh, ein Licht. Eine Straße, eine beleuchtete Halle am Horizont. Oder doch nicht?

Eine „Zement“piste tauchte auf. Ich liebte jetzt diese staubigen Wege. Herrlich. Nur keine Kiesel mehr. Nein, keine Steine mehr. Ich konnte laufen. Meine Muskulatur feierte. Laufen. Wandermuskulatur ade. Ich sammelte Läufer ein. Doch das war mir eigentlich egal. Ich konnte laufen.

Wir kamen an einem Kassenhäuschen vorbei. Eintritt für die Zielgerade? Bei näherer Betrachtung war es ein aufgestelltes Abflussrohr, in dem ein Stab mit einer Streckenmarkierung steckte. Wieder tauchte eines dieser bösen Schilder tauchte aus dem Dunkel. „4 km to meta“ Ich sollte in 30 min durch sein oder 35 oder … egal. Land in Sicht. Gaaaas. Gas hieß 7 min/km Tempo 😉 Viele weitere Läufer kamen ans laufen.

Wir kamen in ein luxuriös ausgekleidetes Bachbett. Die neue Wegstrecke. Kein Asphalt. Wir laufen durch eine trockene Flutrinne. Geniale Idee. So kannst Du dich durch die Stadt bewegen, ohne Straßen sperren, auf Fahrzeuge Rücksicht nehmen zu müssen.

Wir verließen kurzzeitig den Kanal. Ich lief eine Treppe hinauf. Der letzte VP, offiziell bei km 120, tauchte auf. Wir wurden jubelnd begrüßt. Ich spendete eine leere Trinkflasche, traf nicht mal das Scheunentor damit und lief die nächste Treppe wieder hinab ins Flussbett. Ich brauche nix mehr. Ich will nur noch ins Goal. Lasst mich in Ruhe. Macht den Weg frei. Ich habe genug.

Ein Rechtsschwenk und dann hinauf auf eine Fußweg. Immer geradeaus bis zum Ozean. Absperrungen kamen in Sicht. Ich konnte das Ziel hören. Ich hatte einen verlassenen Zielbereich erwartet. Hier war Party. Das „Depa“-Double begrüßte jeden. Als ich den Zielbogen für die lange Schleife passierte, wurde mein Name genannt. Ich schwitzte in den Augen. Es war fertig. Ich war durch. 125 km mit 6700 hm im Anstieg (offiziell 8000 hm).

An der Wende noch mal die Sachen gerichtet. Das Zielfoto ist das Wichtigste. Nach all der Rennerei.

Einhundert Meter noch, 50 m noch. Ich lief an der Tribüne vorbei. Wurde bejubelt. Der Torbogen nah. Ich lief die Rampe hoch. Der Schweiß tropfte aus den Augen. Ich war im Ziel, hatte gefinished. Nach

26:41 Stunden

Hatte ich die Trans Gran Canaria 2016 ins Ziel gebracht. Fertig!

drin, im goal

drin, im goal

TGC 2016 HP Dist

Ebene Abschnitte … Fehlanzeige

 

Mehr als verdient

Mehr als verdient

 

Der Sammler ... ;-)

Der Sammler … 😉