Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Formüberprüfung. Der Coach forderte ein 92:24 und orakelte, dass ich auch eine 1:32 Std. laufen sollen könnte. Somit wurde die Sporttasche gepackt und nach dem Lauf zum Brötchen holen, der nur noch mal als Gliedmaßenerinnerungslauf 2 km lang sein durfte, an die Elbestadt Tangermünde gereist.
Bei längeren Belastungen, wozu ich immer noch einen Halbmarathon zähle, verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen (oder umgekehrt?) und verbringen ein verlängertes Wochenende am Wettkampfort. Wir hatten im vergangenen Jahr bereits „Blut geleckt“ und so kam es wie es kommen musste. Wiederholungslauf. Dieses Mal nicht 10km auf dem Elbdeich sondern 21 km mit Abstecher zu den umliegenden Gemeinden.
Am Samstag gab es dann neben den touristischen auch die laufvorbereitenden Aktivitäten wie Startnummernabholung, Streckenstudium und genießen der Veranstaltung im Allgemeinen zu erledigen.
Der Sonntagfrüh begann für mich schon recht zeitig, denn die Tangermünder Turmglocke bimmelt die ganze Nacht hindurch. Alle Viertelstunde gibt sie ein Lebenszeichen von sich und diese verfolgte ich ab 4 Uhr. Ich hatte jedoch die Nacht zuvor recht ordentlich geratzt, somit sollte es keine Formauswirkung haben.? Nix genaues weiß man nicht und natürlich hatte ich nun eine perfekte Ausrede, wie wir Läufer doch manchmal welche suchen.
Marathonis und Ultras natürlich nie: Naaain.
Gegen 9:15 Uhr trafen wir im Startgelände am Hafen ein und sogen die Atmosphäre auf. Der 42-er Lauf startet ja bereits eine Stunde vor dem Halben. Leider war dieses Feld recht übersichtlich. Ich schätzte 150 Teilnehmer, die sich für den langen Kanten eingeschrieben hatten.
Die Zeit bis zum Start verging wie im Fluge, der Planet knallte erbarmungslos aber erträglich. Ich schätzte die Temperatur auf 14 °C im Schatten. Perfekte Bedingungen für die Zielstellung des Tages.
Die Veranstalter entschieden sich für „Knall und los“, was ein vorderreihiges Anstellen beim Start bedeutete. Sicher hat die Nettozeitmessung auch ihren Reiz, vor allem, wenn das Teilnehmerfeld nicht zu groß ist. Unseres bestand immerhin aus ca. 600 Startern. Ich fand es beachtlich.
Pünktlich, 10:45 Uhr, erfolgte der Startschuss und dann gings erst mal für 500m in die entgegengesetzte Richtung. Der Wendepunkt war erreicht, das Feld hatte sich sortiert und bereits 500m nach Überqueren der Ziellinie wurde die Originalstrecke des letzten Jahres belaufen. Alles passte bestens, meine Uhr war gestartet und auch der MP3-Player lieferte die richtige Choreografie. Nach dem „Final Countdown“ hatte ich mein Tempo gefunden und pace-te im angestrebten Tempo.
Glücklicherweise passte die trainierte Pace wirklich perfekt, einschließlich des zu schnellen Starts. Anders als beim Citylauf in Dresden hatte ich, sicher auch der unbekannten Strecke geschuldet, ein paar Motivationsprobleme im Vorfeld des Runs. Nach viereinhalb Kilometern gabs eine ersten „Schikane“, da nach dem Frühjahrhochwasser der Deich für 500m gesperrt war. Also gings über die Wiese, was sich allerdings als ganz passabler Wirtschaftsweg herausstellte. Nur kurz währte unsere Rückkehr auf dem Asphalt, bis es den Sommerdeich in Richtung Bölsdorf ging. Hier gabs die erste leichtere Briese, die aber auch für die notwendige Erfrischung des Laufes bei strahlend blauem, wolkenlosem Himmel sorgte. Schier endlos fädelte sich das Läuferfeld an der Wiese entlang, bis wir kurz vor der Ortslage den Deich überquerten und in die Hauptstraße des Ortes einbogen. Der 8. Kilometer war bereits überschritten und ich lag wirklich gut in der Zeit. Zwischenzeitlich hatte ich zwei 4:14-er Abschnitte. Ich hoffte, die zweite Luft würde das verzeihen. Die holte ich mir in der Ortslage, nippte ein paar Schlucke am Wasserbecher und reinigte meine Brille. Wie man das so macht, wenn im Laufen getrunken wird.
Weiter gings auf einem erst gewöhnungsbedürftigen, dann asphaltierten Weg zur nächsten Gemeinde der Stadt, nach Buch. In meinem Windschatten hatte sich die 865 platziert und wir ergänzten uns gut beim Tempomachen. War ich zu langsam, gabs ein seitliches Intermezzo und ich wusste Bescheid.
Bis Buch konnte wir 2 Läufer einsammeln, bevor ich zum angenehmen Teil des Laufes kam: essen. Viel zu früh drückte ich die glibberige Masse in meinen Mund, denn der vermeintliche Verpflegungsstand war nicht für uns, sondern für die jubelnde Landbevölkerung, die wirklich zahlreich an dem Event Anteil nahm. Doch der Wasserstand ließ nicht lange auch sich warten, trotzdem war ich etwas irritiert und das ist schlecht für einen Läufer. Irgendwie versucht man alles zu planen, hier gabs was Unvorhergesehenes.
Die obligatorischen 2 Wasserbecher verlangten meine ganze Aufmerksamkeit, das GEL brauchte Verdünnung. Mein „Schatten“ lief vorbei und ich hatte Not, seinem Tempo zu folgen. Auch bis zum 14. Kilometer gelang mir den Anschluss nicht. Es wurde schwerer.
Wir schwenkten nun in Richtung Tangermünde, was wieder ein bisschen Gegenwind bedeutete. Ich fand auf diesem Teilstück meinen Meister und musste im Kopf Plan B vorbereitet. Meine Pace ging um 5-6 Sekunden zurück, und ich fand kein Gegenmittel dem “Verfall” Einhalt zu gebieten. Der ein oder andere 500m Abschnitt war im Soll, doch die Erbse kam nicht klar.
Wir Läufer sind aber auch komisch, oder nur der eine, nämlich ich. Kaum biste ein wenig aus dem Tritt, schon kommt „Panik“ auf.
Wir erreichten den Elbdeich und mein „Schatten“ war bereits außer Schlagdistanz. Doch ich fightete. Ich wollte es wissen. Wieder und wieder fand ich meine Pace. Als die „Kirche“ von Tangermünde in Sicht kam, ich den Hafen sah gab ich mir den letzten Ruck. Endlich. Ich konnte die Ziel Zeit sicher nicht mehr schaffen, doch ne Bestzeit konnte es vielleicht noch werden. Ich war optimistisch ob der recht guten letzten Durchgangszeiten. Die letzten 600 Meter wurde der Forerunner auf „Gesamtlaufzeit“ geschaltet und es sah für eine „Endbeschleunigung“ noch recht gut aus. 1:30:45 Std. zeigte die Zwiebel, als ich auf die Zielgerade bog und ich war zu allem entschlossen. Da geht doch noch war und so gabs den obligatorischen Dialog mit meinen zweiten Ich. Die Knie kamen hoch, die Arme wurden fürs Laufen benutzt und in 3:55-er Pace gings dem Ziel entgegen. Nach
1:32:23 Stunden
war eine neue Schallmauer durchbrochen.

Alles gegeben
Ich konnte den Freudenschrei nicht verhindern, als ich die Laufzeit auf dem Armlaptop sah (leider gabs infolge fehlender Anzeige beim Zielbanner keine Vorfreude). Im Ziel bekam der „Schreihals“ dann die Medaille umgehängt, ein wirklich schönes Stück „Eisen“ (Bild morgen).
Sicher lief nicht alles perfekt, doch ich bin zurück gekommen und darauf bin ich besonders stolz. In Summe wurde ich 41. der Gesamtwertung und 9. in der immer wieder stark frequentierten M45.
Letzte Kommentare