Endlich war es soweit. Der langersehnte Halbmarathon war zum Greifen nahe.
Am Freitag Abend reisten wir noch zu einer Zwischenübernachtung nach Jena, um dann am Samstag, nach einem kurzen “Beine lockern” nach Fürth aufzubrechen.
Auch von der Universitätsstadt 2008 waren es noch über 2 Stunden Fahrt. Doch das Wetter meinte es immer besser mit uns, sodass wir auf der Fürther Freiheit bei Sonnenschein ankamen. Die Startunterlagen waren schnell geholt und auch die Marathonmesse war doch eher übersichtlich. Zum späten Mittag gönnte sich das Stavenhagener Runners Team (Anne-Katrin, Björn und ich) ein paar leckere Nudeln. Leider hatte ich keinen Nudelgutschein gekriegt, naja, die 2 € hätten es dann auch nicht mehr rausgerissen.
Am frühen Nachmittag machten wir uns zu unserem Hotel im Ortsteil Dambach auf die Socken. Idyllisch im Wald gelegen, erwartete man uns bereits im Forsthaus Fürth. Wir hatte noch nicht die Füße im Zimmer, brach ein fürchterliches Gewitter über uns herein. Doch nach einem kurzen, und natürlich nur aus sportlichen Erwägungen heraus gehaltenen, Mittagsschläfchen gings noch mal in die Innenstadt. Nach einem leckeren Kaffee im XXL-Format (Cappuchino aus ner “Müslischale”) und einen Kakao für meine Begleiter bummelten wir ziellos durch die Einkaufstraße. Das Abendessen nahmen wir beim Italiener, wo auch sonst, zu uns. Anschließend schleckerten wir noch ein leckeres Eis von emcedonalds. Nachdem wir wieder im Hotel waren, klang der Abend an der Hotelbar mit anschließendem BOX-Fernseh-Abend aus.
Der Morgen des 28. Juni startete für alle etwas anders. Da ich ja laufen durfte, gings halb sechs aus dem Bett, um genügend Zeit zum Frühstücken zu haben. Anne und Björn futterten nach mir. Wir hatten uns diesmal alles mitgebracht. Für 16 € pro Person fürs Frühstück hätten wir ja noch die Stühle mitessen müssen.
Pünklich gings zum Startbereich. Das Thermometer zeigte um 7:45 Uhr aber auch schon 17 °C. Jedoch war es nicht so extrem schwül, wie am Vortag.
Pünktlich um 9:00 Uhr fiel der Startschuss. Ich hatte mich unter den ersten hundert eingereiht und kam auch recht gut durch das Gerangel der ersten 500 m.
Als das 1. Kilometerschild auftauchte, zeigte die Uhr 4:18 min. Super, nicht zu schnell losgelaufen, oder? Auch der folgende Kilometer lag im Limit mit 4:21 . Jedoch war mein Puls ungewöhnlich hoch. Nach 2 km schon bei 92 % HFmax. Sicher hatte ich die beschriebene Welligkeit der Laufstrecke unterschätzt. Nachdem die folgenden Teilabschnitte unter 4:30 min/km durchgingen, kam nach km 6 der Hammer. Ich war fix und fertig. Nachdem es mal wieder 20 HM hoch ging, mußte ich verschnaufen. Ich konnte es nicht fassen. Nicht mal ein Drittel der Strecke war geschafft und ich spürte das Hämmern in den Unterschenkeln. Nach der kurzen Trinkpause gings weiter. Auf dem kommenden Kilometer gings wieder 30 Hm hoch. Hört sich ja ansicht nicht schlimm an, doch wenn man das nicht gewohnt ist, geht das verdammt in die Beine. Ich pausierte nach dem Anstieg erneut, um mich dann bis zu unserer vereinbarten Verpflegung, besonders moralisch notwendiger, am Kilometer 10 zu “schleppen”. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich die restlichen 11 km laufen sollte. Mein vorgegebens Tempo war nicht mehr zu halten, der Kopf spielte verrückt. Doch die Verpflegung von Anne und Björn brachten mein Selbstvertrauen zurück. Ich mußte mein Tempo finden. Da die offiziellen Verpflegungstellen alle 2 Kilometer voneinander entfernt waren, nahm ich diese als Zielpunkte. Wir kamen durch schönen Gegenden mit viel Begeisterung am Straßenrand und an den “Futterstellen”. Jede Trinkmöglichkeit nutzend kämpfte ich mich mit einem 5:15- er Schnitt bis zum 15. Streckenkilometer. Diesen erwartete ich so sehnsüchtig, das ich bereits am 14. nach meinen Begleitern Ausschau hielt. Das Gelände war immer noch ein auf- und ab. Endlich ein flacherer Teilabschnitt bis km 15. “Papa lauf” hörte ich Anne rufen. Ich hatte mich schon gesorgt, das sie unseren vereinbarten Treff nicht erreichen konnten, da ja der Großteil der Straßen gesperrt oder als Einbahnstraße eingerichtet waren.
Ich naschte das GEL, trank von der Cola
und badete im Wasser aus der Trinkflasche.
Nur noch 6 km. Irgendwie nahm ich nix mehr bewußt war. Selbst die Trinkflasche wurde nicht GREENPEACE-tauglich entsorgt.
Bis wir in die Stadt hineinliefen. Eine endlose Gerade zum Verpfegungspunkt 16, an dem es endlich Bananen gab. Ich versorgte mich gehend mit allem notwendigen und dann sockte ich instinktiv weiter. Ich fand endlich ein konstantes Tempo. An der grünen Halle gabs noch mal einen Lichtblick. Lauf auf rotem Tartan durch eine Halle für Großevents. Leider übersah ich in diesem Streckenabschnitt die Kilometerschilder, sodass ich 3 km ohne Zwischenzeiten war. Doch beim 19. Schild könnte ich Bilanz ziehen: 15 min für die letzten 3 Kilometer. Ich sah die Rathausuhr. Es war kurz nach halb elf. Die innerlich vorgenommene Zeit unter 1:44 war also noch real. Ich freute mich und legte einen Zahn zu. Leider merkte man das nicht in der Zwischenzeit, denn es ging wieder mal aufwärts, geländetechnisch. Ich hatte eine Laufgruppe gefunden, der ich gewachsen war.
Wir umrundeten die Innenstadt und kamen dann endlich um die letzte Kurve. An einigen Läufer, die mich die letzten Kilometer überholten, konnte ich vorbeiziehen. Ich sah den Zielbogen. Noch schätzungsweise 300 m. Die Stimmung war unbeschreiblich. Leider reichte meine Kraft nicht mehr für einen Endspurt. Ich konnte die Uhr sehen. 1:43:xx . Trotz der doch “schlechten” Zeit riss ich die Arme hoch, als ich die Ziellinie überquerte. Ich hatte es noch ganz gut geschafft. Meine Mütze war plötzlich verschwunden, als ich mir genüsslich die Finischer Medaille umhängen lies. Ich suchte meinen “Fanclub”. Da war Anne. Herrlich. Wir five-ten und umarmten uns. Erste Gedanken wurden ausgetauscht.
Björn musste sich ums Auto kümmern und konnte den Zieleinlauf der Stavenhagener Läufer nicht sehen. Dafür stand er aber in der ersten Reihe bei anderen Finischern aus Meckenburg.
“Hartmut” hielt die Fahne hoch, auch wenn er über 2 Stunden unterwegs war. Spaß hat es allen gemacht.
Die Verpflegungsmeile im Ziel nutzte ich ausgiebig – Wasser, Iso, Äpfel, Kuchen, Melone, Erdinger, Proseco – alles was das Herz begehrte war vorhanden.
Nach einer kleinen Stadtrunde fanden wir 3 wieder zueinander und mussten dann 30 Minuten bis zum Hotel reisen. Anne und Björn hatte aber bereits ihre Erfahrungen mit den Straßensperren, sodass wir doch noch ankamen.
Nach weiteren 30 Minuten verließen wir, wie aus dem Ei gepellt, das Hotel und fuhren nach Jena zurück.
Puh … War das ein Lauf. Zumindest weis ich jetzt was welliges Gelände ist und wie echte Bergläufe zu bewerten sind. Alles in allem war die Veranstaltung “das Beste”, was ich je erlebt habe. Nur an der Zielzeit muss noch gearbeitet werden. Mit 1:42:53 belegte ich den 274. Gesamtplatz (1514 Gesamt) und wurde in meiner Alterklasse, der M45 als 43. gezählt. Hier waren 209 alte Herren unterwegs. Urkunde Metropolmarathon 2009 Fürth
Danke wiederum an mein Team vor Ort und natürlich an die zuhause gebliebene Corinna, die meine Trainingseinheiten in Vorbereitung ertragen und erlitten hat.











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