Zeitig, sehr zeitig musste der Berglaufliebende am Samstag Morgen aus den Federn kommen, um den Start nicht zu verpassen.
Der Traditions-Lauf-Verein hatte mal wieder alle Teilnehmer am Rennsteiglauf zum letzten Zustandscheck ins kleinste Mittelgebirge Deutschlands gerufen. Ich hatte das Glück, in der “Toskana des Ostens” zu übernachten und konnte so meine Anfahrt auf 80 min minimieren.
Mit Schrecken beobachtete ich das Thermometer im Auto. Die Temperatur fiel sogar unter den Gefrierpunkt, je näher wir Bad Frankenhausen, das auch noch den schieferen “Pisa-Turm” besitzt, kamen. Schnell war ein Parkplatz gefunden, der Veranstaltungsort sowieso, war doch der ganze Ort auf den Beinen. Schnell waren die Startvorbereitungen abgeschlossen und Punkt halb neun fiel auch schon der Startschuss. Da ich wie ein Schneider fror, war es auch Zeit, ein wenig Wärme an die Muskulatur zu bringen.
Rasch war der Start-Ort durchquert, ich hatte meinen Rhythmus schnell gefunden, das Feld der knapp über 300 Starter übersichtlich und hier noch dicht beisammen. Wir folgten zunächst der Asphaltstraße zum Stausee Kelbra, endlos liefen wir am ersehnten Wald entlang. Bis wir ihn erreichen durften gabs noch mal was zu süffeln und auch der erste Verpflegungsstand wartete bei km 9 auf uns. Langsam wurde es langweilig, bei einem ausgeschriebenen Berglauf immer so auf der Asphalt-Straße entlang zu rennen. Lediglich die leichten Anstiege sorgten für Abwechslung. Am Ende des ersten merklichen Anstieges, immer noch auf Asphalt, gings endlich auf den Waldweg und wenig später unters kuschelige Blätterdach. Gleichsam folgten die ersten Steigungen, die ihren Namen verdienten. Hatte ich bisher meine angestrebte 5:07 min/km fest im Blick, war nun alles vergessen. Hier war “gerade” hoch laufen das Motto.
Mein Roadbook wies Anstieg bis km 17 aus, das konnte ja was werden. Da ich keinerlei Vorstellung hatte, wie sich eine so lange Steigung anfühlte, war ich dann doch überrascht, dass es mir bekannt vor kam. Während meiner Trainingsläufe war ich solche Steigungen bereits gelaufen, nix Neues. Allerdings war deren Länge doch etwas anderes. Die Zeit für die Muskelregeneration war kürzer, als trainiert. Aber dafür war ich ja hier.
Die Zielstellung lautete: Formtest und nicht überpacen. Das letzteres passieren würde glaubte ich zu diesem Zeitpunkt des Laufes gar nicht. Immer mal, wenn auch weniger, als erwartet, gabs eine Bergabpassage, die das Laktat aus den Muskeln löste. Veratmen konnte ich die Menge nicht mehr. Ich fühlte mich trotzdem recht gut, wenn ich auch das Tempo nicht so dosierte, wie es wünschenswert war. Mein Puls ein wenig zu hoch, wie ich in der Auswertung sah. An dieser Stelle muss noch gearbeitet werden. Vor allem auch auf die Zwiebel geschaut werden!
Nach 17 Kilometern erreichten wir den Parkplatz am Kulpenberg. Leider konnte ich den Fernsehturm nicht ausmachen, sah auf meinem Weg dorthin aber wenigstens den Stausee Kelbra. Der gelegentliche Bade- und Campingort meiner frühesten Kindheit.
Die folgenden Kilometer sollte es bergab und auf teils herrlichem Trail hinüber zum Kyffhäuserdenkmal gehen. Aus meiner Sicht das schönste Teilstück der gesamten Strecke. Bergab und in der Ebene fand ich zum Wunschtempo zurück, bergan lief alles schneller 6 min/km ab. Nach passieren der HM-Distanz (1:50 Std.) erfolgte der Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke (wenn man aufs Denkmal klettert). Mann war das ein Hügel. Nach den ersten 30 hm gibt es auf einem kleinen Plateau (KH-Hotel) noch mal ein wenig “Entspannung”, bevor es dann “senkrecht” zum Denkmal hinauf geht. Leider war das heute zu heftig für meine schwache Muskulatur und es musste ein 100m Speedwanderstück eingelegt werden. Laufend wäre ich nicht schneller gewesen, dafür aber hatte ich sogar einen Blick für den alten Barbarossa.
Oben angekommen wurde das “Vieh” gestempelt (Kontrollpunkt) und nach einem Becher Schleim, den ich mit einem weiteren Becker Cola runterspülte machte ich mich auf den Heimweg. Nun gings vorerst den gleichen Weg wieder herunter. Ich versuchte die Aufsteigenden anzuspornen, nur wenige hatten die Ohren noch offen. Wir umrundeten die “Mittelburg” und stürzten uns am Kyffhäuser-Hotel ins “Lange Tal” hinunter. Die Wegmarkierung war hier ein wenig irreführend, da nur die MTBiker ausgeschildert. Dies sorgte für allgemeine Verwirrung. Meine Karte aber stimmte und so konnte ich den ein oder anderen Fragenden beruhigen.
Hier war ich in “meinem Laufgebiet”. Herrlicher Singletrail lies wirkliche Lauffreude aufkommen. So stell ich mir einen Waldlauf vor, fernab befestigter Wege. Leider währte die Freude nicht lange, bis wir den Fahrweg im Langen Tal erreichten. Etwas verdutzt, des Anstieges wegen, schaute ich drein. Schnell wurde die Startnummer gewendet, die auf ihrer Rückseite mein Raodbook verbarg. Tatsächlich: “km 27 Letzter Anstieg”. Wie motivierend. Aber es gab halt viele Letzte, je nach Ansicht.
Ich hatte hier meinen Tiefpunkt erreicht, nicht nur im Streckenprofil. Tapfer kämpfte ich mich zum Mentalpunkt km 30 im gewohnten Schritt. Immer wieder ging mein Blick hinauf zu den Baumwipfeln mit der bangen Frage: “Müssen wir ganz da hoch”. Ja, wir mussten, nein wir durften. Es gelang dann in der gwohnten Manier, laufen, einfach weiterlaufen und wir erreichten endlich den höchsten Wegpunkt.
Nun kam der verdiente Abstieg, der mir aber so gar nicht gefiel. Hässlichster Betonweg mit aufgestreuten Kieseln. Wohl dem, der da Trailschlappen anhat. Mit normalen Laufschuhen sicher sehr schmerzhaft.
Nach dem steilsten Streckenabschnitt im hinab durchquerten wir Udersleben um nun das letzte Stück in Angriff zu nehmen. km 35 war überschritten und die Restdistanz wieder fassbar. Bereits seit mehrern Kilometern waren die Restdistanzen ausgeschildert, wie hier scheinbar üblich mit den noch zu laufenden Kilometern (anfangs “nur” alle 5 km, völlig ausreichend).
Der letzte wirkliche Anstieg führte zum Flugplatz hinauf und wurde wieder gelaufen und auch überlaufen, da dieser Teilstück von den meisten gehend absolviert. Am Horizont war der Wald zu sehen, den wir bei herrlichem Sonnenschein in gut 3 Kilometern erreichen sollten. Der Anstieg war trotzdem kräftezehrend, wenn auch nicht wirklich hart. Ich hatte mich auf der Bergabpassage wieder gut erholt, auch der Puls lag wieder im Wunschbereich. Nachdem der 39. Kilometer gespeichert, galt es wieder ein wenig Fahrt aufzunehmen. Wir durchquerten ein kleines Waldstück, bevor wir das Bauerkriegs-Denkmal erreichten.
Nun gings nur noch abwärts, dazu noch steil. Bereits seit dem Flugplatz war ich mit der 3. Frau unterwegs, die nun das Tempo bestimmen sollte. Wir erreichten die ersten Häuser und der Zielbereich wurde hörbar. Mit 4:49 (min/km) und 4:38 waren die letzten Kilometer viel zu schnell. Ich folgte jedoch lediglich der “Reiseleitung”. Wir trennten uns vorm Ziel, um jedem seinen Einlauf zu gönnen. Mir wars Wurscht, ladies first. Ich hatte beim 41. Kilometer auf Gesamtzeit umgeschaltet und war doch überrascht, dass ich doch recht fix unterwegs war. Zur Halbzeit des Laufes war die 3:47 Std. vom Röntgenlauf Zielstellung. Irgendwann dachte ich: unter 4 Stunden ist auch gut für den Formtest.
Am Ende wurde es eine 3:45:xx (+720 HM). Ich war hoch zufrieden und nach dem Zieleinlauf doch froh, das es geschafft war. So ist also Berglauf … Lange nicht so komprimiert und schnell erlebt und 36 Stunden danach betrachtet, immer wieder schön. Vielen Dank an Juliregen und Landschaftsflitzer für die Begleitung!
Meine Schwachpunkte habe ich erkannt und die Trainingsziele für die verbleibenden Wochen bis zum Rennsteig sind definiert. Heute wurde gleich mal ein regenerativer Hügellauf über 11,5 km eingestreut, der mich 220 hm durch meine geliebte Hügelkette führte. Schön langsam und muskelschonend. Der Astrale muss sich die Hügelei jetzt merken und braucht ein wenig Unterstützung dabei. Morgen darfs dann noch mal regenerativ sein, wenn auch ein wenig länger, weiter und höher…natürlich.













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